Aki – auf der Suche nach dem japanischen Herbst (Teil 2)

Nachdem die Flüge nach Okinawa taifunbedingt storniert waren, musste ein Ort am Meer her, der nicht zu weit vom aktuellen Standort entfernt war und den man vom Bahnhof aus gut zu Fuß erreichen konnte. Schließlich wollten wir vor Eintreffen des Taifuns die letzten sonnigen Tage nutzen. „Die örtliche Touristeninformation ist bei der Suche nach einer Unterkunft behilflich, im Ort gibt es einen Supermarkt.“ Solche Sätze in Lonely-Planet-Reiseführern haben schon einige Globetrotter an spannende Orte geführt.

Und so verschlug es uns nach Takeno an die Westküste, drei Zugstunden von Osaka entfernt. Takeno entpuppte sich als verschlafener Fischerort, der im Sommer eine Badehochburg ist, im Oktober aber so gut wie keine Gäste und geöffneten Zeltplätze oder Unterkünfte hat. In besagter Touristeninformation waren wir überwältigt von der japanischen Hilfsbereitschaft. Eine anwesende Ryokan-Besitzerin, die nur zum Small-Talk vorbeigekommen war, wurde kurzerhand vorausgeschickt, um uns ein Zimmer vorzubereiten, obwohl sie an diesem Tag eigentlich ausgehen wollte. Auch ihre Bemühungen, uns in unserer Landessprache anzusprechen, waren rührend: Mit Hilfe ihrer Übersetzungs-App schrieb sie uns Zettel auf Deutsch, deren Interpretation meistens klappte.

Schon am nächsten Tag waren wir als einzige anwesende Touristen stadtbekannt. Wir hatten das Glück, an gleich zwei regionalen Events teilhaben zu können. Eines davon war der lokale Fischmarkt, bei dem ich mutig Seeschnecken probierte (aber nicht aufaß). Das andere war der Tag der offenen Werkstatt bei den Schreinern: In traditioneller Art brannten die Arbeiter ohne Schutzhandschuhe Holzlatten, um sie für ein Haus wetter- und schädlingsfest zu machen. Über unseren Besuch auf dem Fischmarkt wusste unsere Gastgeberin abends schon Bescheid und unsere Kleidung verriet am Geruch, dass wir der Schreinerei einen Besuch abgestattet hatten. Ein echtes Highlight. Wir wollten gar nicht mehr weg!

Aber nun wollten wir doch noch nach Kyoto. Die Weltkulturerbe-Stadt, die wir eigentlich zugunsten des Okinawa-Aufenthalts auslassen wollten (zum Entsetzen aller Japan-Fans :-(), zog uns in ihren Bann. Voll von vielfältigen Sehenswürdigkeiten – eine schöner als die andere – umgeben von Wald und Bergen, in denen man dem Trubel entfliehen kann, verbrachten wir dort abwechslungsreiche Tage. Und waren schließlich versöhnt damit, dass unsere Reisepläne vom Wetter durchkreuzt worden waren. „You are lucky, you probably had the only unexpected taifun in your life“, war die entspannte Meinung eines Hostel-Besitzers zum einzigen Taifun außerhalb der Saison seit langem.

Und das Herbstlaub?! Bei unserer letzten Station in Nikko und am Chūzenji-See – etwas mehr als eine Zugstunde nördlich von Tokyo - war dann auch endlich der Herbst da und wir schlenderten mit der Kamera in der Hand von einem Baum zum nächsten. Echt japanisch eben. :-)




30.10.2018

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