Aki – auf der Suche nach dem japanischen Herbst (Teil 1)

Das farbige Laub Japans („koyo“) ist hierzulande nicht so bekannt wie die japanische Kirschblüte („hanami“). Dennoch erreichte mich bei meiner Reiseplanung die Empfehlung, am besten in der letzten Jahreshälfte nach Japan zu reisen, da dort der Herbst toller und farbenfroher sei als der „Indian Summer“ in Kanada. Bilder von blutroten Ahornbäumen überzeugten mich als passionierte Outdoor-Reisende schließlich und die Buchung für Oktober stand fest.

Ab Stuttgart ging es mit British Airways über London in 16 Stunden nach Tokyo. In den drei Wochen wollten wir möglichst wenig Zeit in den (großen) Städten verbringen, stattdessen auf Wanderwegen einige Bergregionen der Hauptinsel erkunden und eine Woche Sonne und warmes Wasser auf Okinawa tanken. Auf dieser Insel im Süden sind die Temperaturen auch im Oktober noch mild und deshalb ist sie gut geeignet für einen Strandurlaub. Und dann wollten wir natürlich das leuchtende Herbstlaub bestaunen. Soweit der Plan.

Wer meine Reiseberichte über Pisa und Madeira gelesen hat, weiß, dass Niederschlag ein treuer Begleiter meiner Reisen ist. So auch in Japan. Der Oktober soll dort mehrheitlich sonnig und warm sein - nicht so in meinem Reisejahr. Das erste Regengebiet zog gleich am zweiten Tag durch, in der dritten Woche wurde das ganze Land von einem Taifun heimgesucht – zum Glück weitaus schwächer als der vom September 2018, der weite Teile des Landes lahmgelegt hat. Bei uns gab es nur Auswirkungen auf Zug- und Flugstrecken. So stand unser Zelt am Ende im Regen und statt Schnorcheln mit Schildkröten in Okinawa waren Meerestiere im Aquarium von Osaka angesagt.

Aber was soll ich sagen?! Die besten Reisen beginnen dann, wenn Pläne sich ändern.

Die ersten Tage, die wir in der Bergregion um Kamikochi auf dem Zeltplatz verbrachten, waren trotz des Regens ein toller Einstieg in die japanische (Reise-)Kultur. Die Gegend, die auch als die „japanischen Alpen“ bezeichnet wird, liegt südwestlich von Nagano – den meisten als Olympia-Ort bekannt. Der beschauliche Bergort ist dank der tollen Infrastruktur Japans mit Bus und Bahn gut von Tokyo aus in viereinhalb Stunden zu erreichen und vor allem im Herbst sehr beliebt. Allerdings gab es bei unserem Aufenthalt nur wenige Gäste, die mit ihrem Zelt dem Wetter trotzten. Der Campingplatz liegt an einem Flusslauf, an dem entlang man viele verschiedene Wanderungen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad machen kann. Der Weg, für den wir uns entschieden, war gut befestigt und führte quasi einmal um den Campingplatz herum. Buntes Herbstlaub entdeckten wir bei diesem Ausflug nur vereinzelt. Am Ende des Tages konnten wir die nassen Klamotten im Trockenraum aufhängen, uns mit frisch zubereiteten Speisen des Campingplatz-Restaurants stärken und unsere klammen Glieder im platzeigenen Onsen aufwärmen. Japanreisende kennen Onsen als ein von heißen Quellen gespeistes Bad, das in der Regel von Frauen und Männern getrennt besucht wird. Nach einem anstrengenden Wandertag in Summe ein tolles Verwöhnprogramm für einen einfachen Zeltplatz!

Weniger verwöhnend waren anschließend die Wettervorhersagen. Ein Taifun kündigte sich an, die Empfehlung der Einheimischen auf Okinawa war: „We suggest that you don‘t come!“. Doch was tun? Das lest ihr im 2. Teil.




30.10.2018

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