Wo der Koffer Achterbahn fährt – Erlebnisbericht zur Flughafenführung

Runway, Terminals und Gepäckverteiler – für alle, die schon länger am Flughafen arbeiten, sind das gängige Begriffe. Mir sind viele davon neu. Seit Ende April schaue ich, Ann-Katrin Gehrung, während meines Praktikums den Kolleginnen und Kollegen in der Unternehmenskommunikation über die Schulter. Um zu verstehen, worüber sie sprechen und vor allem, wo sich was auf dem Betriebsgelände befindet, habe ich die Flughafenführung besucht. Hier berichte ich davon.

Mittwochmorgen, 9.30 Uhr – Vor dem SkyOffice herrscht ein reges Treiben, eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern hat sich vor dem Gebäude versammelt. Zusammen warten wir auf ein Zeichen, dass unsere Flughafenführung beginnt. Wenige Minuten später begrüßen uns die Airport-Tour-Guides Frank Dizinger und Wolfgang Schwend, sie werden uns heute mit hinter die Kulissen des Flughafen Stuttgart nehmen. Gleich zu Beginn erfahren wir im Besucherfilm die wichtigsten Fakten zu Gelände und Flugbetrieb: Seit 1939 befindet sich der Landesairport an seinem heutigen Standort, das Areal umfasst rund 400 Hektar (so groß wie 560 Fußballfelder). Zu Hochbetriebszeiten – also zu Beginn und Ende der Pfingst- und Sommerferien – starten und landen hier täglich rund 400 Flugzeuge.

Auf verschlungenen Wegen ins Flugzeug

Nachdem wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt haben, geht es zur ersten Station: die Gepäckaufgabe in Terminal 1. „Das gesamte System kann man sich wie eine Achterbahn vorstellen“, so Dizinger. Über verschlungene Wege gelangen Koffer und Rucksäcke auf Fließbändern in die Sortieranlage, wo sie gesammelt und auf die entsprechenden Flugzeuge verladen werden. Dazu kommen prompt die ersten Fragen: Warum wird das Gepäck bei der Aufgabe gewogen und was passiert, wenn ein Koffer ins falsche Flugzeug geladen wird? Frank Dizinger weiß die Antworten: „Das Gewicht überprüfen die Airlines, weil es sich unter anderem auf den Spritverbrauch des Flugzeugs auswirkt. Sollte ein Koffer mal versehentlich in ein falsches Flugzeug geladen werden, wird er mit der nächsten Maschine an den eigentlichen Zielort geflogen und so schnell wie möglich seinem Besitzer übergeben.“

Weiter geht es durch die Terminals 2, 3 und 4 zu unserem nächsten Ziel: eine Bustour über das Vorfeld. Wir passieren die Sicherheitskontrolle und steigen ein. Die Strecke führt vorbei an den großen Hangars, dem Tanklager, den Privatflugzeugen bis hin zum Gelände der Flughafen-Feuerwehr. Die Rettungskräfte sind 24/7 im Bereitschaftsdienst. „Wenn es einen Einsatz gibt, geht es schnell: innerhalb von drei Minuten erreichen sie jeden Ort auf dem Gelände“, berichtet Dizinger.

Kindergartengruppe toppt Flugzeug

Einen lautstarken Zwischenstopp legen wir an der Lärmmessanlage am westlichen Ende des Geländes ein. Hier misst ein gelber Kasten kontinuierlich, wie laut die Flieger bei Start und Landung sind. Auch wir legen uns ins Zeug und brüllen, so laut es geht. Knapp achtzig Dezibel zeigt das Messgerät an. Damit liegen wir gleich auf mit einem Airbus A319. Eine Kindergartengruppe würde es sogar auf 100 bis 110 Dezibel schaffen. Dabei kommt die Frage auf, wozu der ganze Aufwand denn nötig sei. „Die ständigen Messungen dienen vor allem dem Schutz der Anwohner“, erklärt Dizinger. „Überschreiten Maschinen bestimmte Werte, müssen höhere Gebühren gezahlt werden.“ Unter besonderem Schutz stehe auch die Nachtruhe: Für die Zeit zwischen 23.00 und 6.00 Uhr gelten besondere Regelungen, die den nächtlichen Fluglärm minimieren.  

Unsere Bus-Tour führt uns zurück ans Terminalgebäude und zu unserer letzten Station: dem Gepäckverteiler. Hier beginnt der Betrieb um 4.00 Uhr morgens und endet spät in der Nacht um 0.15 Uhr. In der Verteilstation ist auch der Zoll aktiv und überprüft das Gepäck in regelmäßigen Kontrollen. „Manchmal kommen hier Überraschungen zu Tage“, sagt Dizinger. Er erinnert sich an eine Passagierin aus Russland, die 72.000 Zigaretten im Gepäck transportierte, an 60 Vogelspinnen, die in Plastikdosen mitgeführt wurden und auch an exotische Mitbringsel wie einen Krokodilkopf oder einen Elefantenfuß in Form eines Sitzhockers. Mit diesen Anekdoten endet unsere Führung. Wir durchqueren die Gepäckausgabe in Terminal 4 und mischen uns als neue Airport-Experten wieder unter die Flughafengäste.




20.06.2018

Aus Datenschutzgründen werden die Kommentare erst geladen, wenn Sie den Disqus-Dienst aktiviert haben. Bitte beachten Sie, dass nach Ihrer Zustimmung Daten mit anderen externen Diensten ausgetauscht werden.
Datenschutzhinweis lesen