Mo. 24.11.2014, 3:58 , Schönwetter 6°C

Flugblatt-Reportage: Wenn Tiere fliegen

Take-off mit Tia

Titel 2 14
S4 Ankunft Terminal 1

 

Nicht nur Menschen gehen vom Stuttgarter Flughafen aus auf große Reise, auch Hund oder Katze sind manchmal mit von der Partie. Ein Start mit Haustieren ist aufregend und will gut vorbereitet sein.

Tia ist heute ein AVIH. Und das gefällt ihr erstmal nicht so gut. An ihrer Unruhe spürt das ihre Besitzerin. Das Tier soll nämlich als Animal Vivant In Hold, also als fliegender Hund im Gepäckraum, mit Angela Heisig nach Paris reisen. Die 35-Jährige ist selbst etwas aufgeregt: Sie startet heute zum ersten Mal mit ihrem Vierbeiner zu einem Flug. Doch die Servicemanagerin kommt gut vorbereitet an den Airport. Ihre dreijährige Mischlingshündin hat sie schon bei der Buchung einige Wochen vorher angemeldet.

Zuerst gehen die beiden zum Check-in. Angela Heisig legt die Tickets und ihren Ausweis vor. Sie stellt ihren Koffer auf das Gepäckband mit der Waage. Dann ist Tia  an der Reihe. Ohne Hundeausweis gibt es keine Startgenehmigung für den Passagier auf vier Pfoten. In dem Dokument steht, dass die Hündin zu Angela Heisig gehört und kürzlich gegen Tollwut geimpft wurde. Das ist schon einmal gut, denn Tiere dürfen weder allein noch ohne gültige Papiere reisen.Die Halterin hat sich auch  rechtzeitig erkundigt, welche Bestimmungen bei der Einreise ins Urlaubsland gelten.

Vierbeiner sind zwar kein Gepäck, müssen aber trotzdem auf die Waage. Die Fluggesellschaften wollen genau wissen, wie schwer die zusätzliche Fracht ist. Zum einen richten sich die Beförderungsgebühren danach. Zum anderen entscheidet das Gewicht darüber, ob das Tier nicht vielleicht doch mit in die Kabine darf. Tia wäre dann kein AVIH, sondern ein PETC, ein Pet In Cabin, und würde mit dem menschlichen Begleiter quasi als Handgepäck reisen. Das sind aber nur Hündchen oder Kätzchen, die nicht mehr als sechs Kilogramm wiegen. „Sie dürfen in geeigneten, geschlossenen Taschen oder Boxen zu Füßen ihrer Besitzer mitfliegen, aber nicht aussteigen“, erklärt Martina Kaidel von S. Stuttgart Ground Services. Dieses Unternehmen erledigt für zahlreiche Airlines das Check-in und das Boarding.

Handgepäck spielen kommt für Tia auf keinen Fall infrage. Sie ist kein Leichtgewicht, sondern wiegt satte 23 Kilogramm. Angela Heisig hat eine Box mitgebracht, wie sie von den Airlines vorgeschrieben ist. Die Mitarbeiterin am Check-in schaut sich den Behälter genau an: Ist er groß genug, damit das Tier darin stehen kann, ohne den Kopf einziehen zu müssen, und kann es bequem darin liegen? Enthält er eine Unterlage aus saugfähigem Material und gibt es eine Ablaufrinne, falls Tia doch mal muss? Ist gewährleistet, dass genügend Luft hineinkommt, sind Futter und Wasser vorhanden? Wenn alles in Ordnung ist, bekommt der Käfig, ebenso wie ein Koffer, ein Label.

Zu kleine Box geht gar nicht

S5 Check In
S5 Sperrgepaeck

 

Manchmal wollen Passagiere mit engen Behältern für ihre Lieblinge einchecken. „Das dürfen wir nicht zulassen“, sagt Martina Kaidel. Hund oder Katze soll es selbst bei mehrstündigen Flügen gutgehen. „Ist der Halter anderer Meinung, holen wir schon einmal einen Vertreter der Airline hinzu, und wenn der Besitzer gar kein Einsehen in Sachen Tierschutz zeigt, auch die Polizei.“ So weit muss es aber nicht kommen. „Wir halten im Notfall Boxen in verschiedenen Größen zum Kauf hier am Flughafen bereit“, erklärt sie.

Bevor es ernst wird, darf der Vierbeiner mit Frauchen nochmal an die frische Luft, schließlich dauert der Flug eine Weile. Eine Stunde vor dem Start geht es los: Die beiden laufen zum Sperrgepäckschalter. Die Mitarbeiter dort nehmen die Box an und durchleuchten sie wie jedes andere Gepäckstück. Nun heißt es Abschied nehmen, denn jetzt muss Tia ins Körbchen, sprich in ihre Hundebox. „Nicht alle Tiere machen das gleich und gerne“, sagt Martina Kaidel. Sie weiß von Besitzern, die ihren Vierbeinern etwas zur Beruhigung geben. Andere gewöhnen sie schon lange vor der Reise an den Behälter.

Nun fährt Tia mit dem Aufzug in den Gepäckverteiler, während Angela Heisig durch die Fluggastkontrolle zum Gate geht. Per Transportwagen wird der Hund zum Flieger chauffiert. Die Männer von der Ladegruppe achten bei AVIHs darauf, diese so zu verstauen, dass kein Koffer in der Nähe ist, der etwa auf den Käfig fallen könnte. Sie zurren die provisorische Behausung des Hundes mit Gurten fest. Inzwischen hat der Kapitän die Nachricht erhalten, dass Tiere an Bord sind. Das bedeutet: Licht und Heizung an im Laderaum. Schließlich soll es Tia so angenehm wie möglich haben, bis sie ihr Frauchen am Pariser Airport Charles de Gaulle wiedersieht.