Luftsicherheit beginnt am Boden

Die Sommerferien sind fast vorüber und damit auch der größte Ansturm an Passagieren im Jahr. Dass wir an den entsprechenden Tagen gewappnet waren und genügend Personal an der Sicherheitskontrolle hatten, dafür bin ich da. Mein Name ist Ludger Rolfes. Ich bin Polizeihauptkommissar bei der Bundespolizei und für die Sicherheit im Luftverkehr am Flughafen Stuttgart zuständig. Damit ich aber überhaupt weiß, an welchen Tagen wie viel Personal gebraucht wird, bespreche ich mich schon im Vormonat mit der Terminalaufsicht der Flughafen Stuttgart GmbH. Mit umfangreichem Zahlenmaterial ausgestattet, mache ich mich nach jedem Treffen wieder auf den Weg zu meinem Büro im Stuttgart-Airport-Office (SAO). Die Datenblätter enthalten die erwarteten Passagierzahlen für die Abflüge im kommenden Monat. Für mich ist dies die Planungsgrundlage für unseren Personaleinsatz bei der Luftsicherheitskontrolle.

Mit über 320 Polizeibeamten/-innen ist die Bundespolizei am Flughafen rund um die Uhr im Einsatz. Zusätzlich haben wir eine private Sicherheitsfirma unter Vertrag, die mit 350 Mitarbeitern im Auftrag der Bundespolizei die Passagier- und Gepäckkontrolle durchführt. Bei den einzelnen Kontrollstellen in den Terminals gehe ich dann auch mal selbst vorbei – vor allem an den Tagen mit vielen Fluggästen. So etwa zu Ferienbeginn in Baden-Württemberg. Mein Rundgang ist in der Regel immer der gleiche: In Terminal 3 checken die meisten Urlauber ein, weshalb ich erst einmal dort vorbeischaue. Was mich erwartet? Viele Reisende, die beim Check-in für ihre Bordkarte anstehen und ebenfalls ein großer Andrang bei unserer Sicherheitskontrolle – Ferienzeit eben. Aber es sind genügend Kontrollstellen sind besetzt und es läuft prima.

An der Sicherheitskontrolle

Offensichtlich hatte dieses Jahr ein Großteil der Reisenden sein Gepäck unter Berücksichtigung der EU-Flüssigkeitsverordnung richtig gepackt. Schon 2006 wurde diese eingeführt, es kommt aber noch immer vor, dass man mit den Reisenden diskutieren muss. Es ist ja auch nicht ganz einfach, denn es fallen beispielsweise streichfähige Lebensmittel wie etwa Nougatcreme unter die Flüssigkeitsverordnung und dürfen nicht ins Handgepäck. Besonders für die Kids tut es mir leid, wenn die ihre Wasserspritzpistolen nicht in den Urlaub mitnehmen dürfen. Aber wenn die Teile den echten Waffen ähnlich sehen, dann können wir kein Auge zudrücken. Auch ein Pfefferspray hat im Flieger nichts zu suchen. Öfters finden wir zudem schöne und wertvolle Taschenmesser, die allerdings mehr als die erlaubten maximal 6 cm Klingenlänge messen. Der Reisende hat nun die Qual der Wahl. Entweder Besitzaufgabe und Entsorgung des Messers oder nachträglich noch ins Reisegepäck tun oder alternativ das Messer bei der Flughafenwache gegen eine Gebühr von 6 Euro lagern. Im Handgepäck bleibt das Messer jedenfalls nicht.

Check des Reisegepäcks

Bei meinem Rundgang schaue ich meist auch bei der Reisegepäckkontrolle vorbei. Wir haben am Flughafen Stuttgart eine sogenannte mehrstufige Reisegepäckkontrollanlage, die weitgehend selbstständig arbeitet. Schlägt die Anlage an, wird der Koffer ausgeschleust und einer Nachkontrolle zugeführt. Die über Lautsprecher ausgerufenen Passagiere kommen vor Ort – und wirken häufig etwas verunsichert. In den meisten Fällen können wir nach dem Öffnen der Koffer Entwarnung geben. Oft finden wir aber auch Sachen, für die besondere Gefahrgutbestimmungen gelten, z.B. Gaskartuschen für einen Camping-Grill. Diese Gasbehälter dürfen nicht im Reisegepäck transportiert werden. Hier entscheidet dann die gebuchte Fluggesellschaft, ob und wenn ja, wie die Gefahrgüter transportiert werden.

Zum Abschluss meiner Tour gehe ich bei unseren Angestellten im Monitorauswerteraum bei der Reisegepäckkontrolle vorbei. Auch hier ist der Arbeitsanfall an den ersten Ferientagen enorm. Die Mitarbeiter bewerten die Röntgenbilder und entscheiden, ob ein Gepäckstück direkt zum Flieger darf, oder ob noch weitere Kontrollmaßnahmen erforderlich sind. Danach geht es für mich wieder zurück ins Büro. Hier erwartet mich schließlich der größte Teil meiner Arbeit: jede Menge Mails mit Informationen, Anfragen und neuen Arbeitsaufträgen. Und natürlich auch die Personalplanung für den nächsten Monat.




25.08.2011

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