Grün oder Rot – das ist hier die Frage

Hier am Flughafen Stuttgart sind zur Zeit ca. 110 Zollbeamte tätig, ich bin einer davon. Mein Name ist Artur Lieb. Eingesetzt bin ich als Abfertigungsleiter. Zusammen mit neun weiteren Abfertigungsleitern bin ich fachlicher Ansprechpartner für meine Kollegen und kümmere mich um die weitere Bearbeitung von auftretenden Fällen. Außerdem fallen verschiedene organisatorische Dinge rund um die Zollabfertigung in unseren Aufgabenbereich.

Aufgabe des Zolls ist es – wer hätte es gedacht –, Zölle zu erheben. Immerhin haben wir daher ja auch unseren Namen. Im Lauf der Zeit ist aber eine Vielzahl zusätzlicher Aufgaben hinzugekommen. Diese neuen Aufgaben haben heutzutage oft eine größere Bedeutung als die Erhebung von Zöllen. So soll der Zoll verhindern, dass Drogen oder illegale Waffen in Umlauf kommen. Außer diesen „Klassikern“, die man aus fast jedem Krimi kennt, gibt es aber noch viele andere Waren, die uns interessieren – artengeschützte Pflanzen und Tiere, Medikamente, gefälschte Produkte, um nur einige zu nennen. Deren Ein-, Aus- und Durchfuhr wird ebenfalls vom Zoll überwacht.

Um all diesen Aufgaben nachzugehen, werden durch den Zoll Kontrollen durchgeführt. Wie an den meisten Flughäfen in der Europäischen Union, wird hierzu auch am Flughafen Stuttgart unter anderem das System des grünen und roten Ausgangs verwendet.

Sehr häufig höre ich am grünen Ausgang die Frage „Muss ich hier raus?“ Die Antwort darauf lautet dann „Wenn Sie nichts anmelden müssen, dürfen Sie hier durch.“ Das scheint bei den meisten Fragestellern aber die Verwirrung eher zu steigern. Trotz der inzwischen sehr starken Medienpräsenz des Zolls – gefühlt läuft im Fernsehen fast immer irgendwo eine Sendung, in der es (auch) um den Zoll geht – fühlen sich viele Passagiere unsicher, wie sie sich uns gegenüber verhalten sollen.

Dabei ist die Sache eigentlich ziemlich einfach: Es gibt einen roten und einen grünen Ausgang. Wer Waren dabei hat, die angemeldet werden müssen, ist verpflichtet, den roten Ausgang zu benutzen. Wer nichts davon dabei hat, was ausdrücklich angemeldet werden muss, darf den grünen Ausgang benutzten. Man sollte aber aufpassen: Mit dem Passieren des grünen Ausgangs gibt man nämlich eine Zollanmeldung ab – „konkludent“ nennt sich das, also aus dem Verhalten gefolgert. Eine Zollanmeldung ist letzten Endes nichts anderes als eine Steuererklärung.

Wenn man dabei falsche Angaben macht, begeht man eine Straftat, nämlich Steuerhinterziehung. Das kann sehr unangenehme und auch teure Folgen nach sich ziehen, in extremen Fällen sogar im Gefängnis enden. Deshalb sollte man sich unbedingt informieren, bevor man sich für den grünen Ausgang entscheidet. Am sinnvollsten macht man das schon, bevor man überhaupt verreist. Ich empfehle die Internetseite des Zolls. Dort findet man viele nützliche Informationen zu Reisen und auch zu verschiedenen anderen Bereichen, bei denen man mit dem Zoll in Berührung kommt. Weitergehende Fragen können per e-Mail an info.privat@zoll.de geschickt werden. Selbstverständlich gibt es außerdem die Alternative, sich telefonisch unter 0351/44834-510 zu informieren. So kann man unliebsame Überraschungen am Ende der Reise vermeiden, die vielleicht sonst die schönen Urlaubserinnerungen trüben würden.

Aber auch wenn man es vor der Reise versäumt hat, gibt es in den Gepäckhallen immer noch Möglichkeiten, sich zu informieren: An jedem Gepäckband hier am Flughafen Stuttgart findet man Infotafeln – in Deutsch und in Englisch –, auf denen die wichtigsten Informationen zum Zoll zusammengefasst sind. Und schließlich gibt es noch meine Kollegen und mich, die man jederzeit ansprechen kann, wenn man immer noch unsicher ist.
Im Zweifel ist es nie verkehrt, den roten Ausgang zu benutzen und dann einem Zollbeamten von sich aus zu sagen, was man von seiner Reise mitbringt.




24.11.2011

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