Umwelt und Technik - DLR im Einsatz

Mag sein, dass die jüngere Generation das nicht mehr so intensiv empfindet, aber mit meinen 38 Jahren ist eine Flugreise für mich immer noch etwas sehr aufregendes. Ob beruflich oder privat, ob unter Terminstress oder zusammen mit den Menschen, die ich mag, das Reisen mit dem Flugzeug ist Teil meines Lebens geworden. Ein Teil, den ich offen gesagt nicht mehr missen möchte. Auf dem Weg zum Flughafen frage ich mich oft, wird alles gut gehen, werde ich auch nicht zu spät sein, wird das mit dem Gepäck alles klappen? Und dann dieses Gefühl im Magen, wenn das Flugzeug beschleunigt und abhebt. Äußerlich ganz still, innerlich jedoch kann ich mir ein Freudenschrei -„Yeehaa“- nicht verkneifen.

Oft frage ich mich, wie viele meiner Kollegen, aus Wissenschaft und Forschung, Flugzeugbau und Wartung, Logistik und Sicherheit daran arbeiten mussten, damit das ineinander greift und alles reibungslos funktioniert. Als Wissenschaftler stelle ich mir aber auch die Frage, können wir alle etwas daran verbessern und vor allem effizienter, emissionsärmer und nachhaltiger machen.

DLR im fairport STR

Als der Flughafen Stuttgart mit der Idee eines Nachhaltigkeitsparcours – fairport STR genannt – an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) herantrat habe ich bemerkt, dass ich nicht alleine mit diesen Fragen lebe und dazu noch gelernt, dass viele Ansätze vorhanden und einige wichtige schon umgesetzt worden sind. In diesem Parcours ließ sich auch die Arbeit von meinen Kollegen und mir aus Stuttgart gut integrieren – hauptsächlich die neuesten Forschungs- und Entwicklungsergebnisse aus dem Bereich emissionsarmer Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie in der Luftfahrt.

Die Antares DLR-H2, das erste mit Wasserstoff-Brennstoffzellen betriebene Flugzeug, ist eine alte Bekannte am Flughafen Stuttgart. 2008 war der erste Prototyp im Terminal 1 zu bestaunen, ein Jahr später im September 2009 startete die Antares DLR-H2 einen Höhenrekordflugversuch von den Fildern aus. Im April 2011 landete unsere Maschine nach der erfolgreichen Teilnahme am Berblinger-Flugwettbewerb als das schnellste Flugzeug mit emissionslosem Antrieb in Stuttgart.

An einer der Parcours-Stationen wird nun ein Modell zu sehen sein. Im Vergleich zum Original mit über 800 kg Gewicht bringt das Modell wegen der leichten, aber sehr festen Materialien nur ein Gewicht von 10 kg auf die Waage. Aufgrund der großen Spannweite von über 6 m und dem geringen Gewicht, musste das Modell gut gesichert werden, was mit den tragfähigen Stahlseilen bewerkstelligt wurde. Die Chance, das Flugzeug im Flug zu sehen, haben Besucher an einem 3D-Monitor. Dieser wurde zusammen mit einer Informationstafel in der Nähe des Modells in Terminal 3 platziert. Für die Aufnahmen begleitete ein Mitarbeiter des DLR die Flugversuche mit einer 3D-Kamera.

Bugrad mit besonderem Antrieb

Ein zweiter Beitrag des DLR zum Umweltparcours am Flughafen Stuttgart steht in Terminal 1, Ebene 4. Es ist ein voll integriertes elektrisches Bugrad für eine Airbus A320. Angetrieben ebenfalls von einem Brennstoffzellensystem und eingebaut in das Forschungsflugzeug A320-ATRA des DLR, konnten wir am 1. Juli 2011 damit erstmals nachweisen, dass große Flugzeuge mit einem Gewicht von 50 Tonnen emissionsfrei am Boden rollen.

Für den Flugantrieb von Maschinen dieser Größenordnung eignet sich die Brennstoffzellentechnologie (noch) nicht, jedoch könnten mit dieser Technologie pro Rollvorgang mehrere hundert Liter Kerosin eingespart werden. Neben wirtschaftlichen Vorteilen würden damit auch erhebliche Emissionseinsparungen realisiert werden können. Um dieses Exponat ausstellen zu können, mussten nach dem Versuch das Bugfahrwerk und der elektrische Antrieb am Flugversuchsort auseinandergebaut und am Flughafen Stuttgart wieder zusammengesetzt werden.

Das gesamte Versuchsteam war über die Möglichkeit dieser Präsentation begeistert. Noch laufen die Aufbauarbeiten, ab dem 21. Juli sind die Stationen des Umweltparcours fairport STR am Flughafen Stuttgart fertig – und bereit für alle Besucher.




14.07.2011

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