So a Donnaweda

Aus Filme kennt ma des jo, wenns mordsmäßig kracht und blitzt schaut da Pilot auf sei Radar und fliagt elegant ums Gewitter außn umme. Wos macht aba a Flughafen, wenns am Himme ganz schwarz wird und so a Gewitterfront im Omarsch is?
Wie Sie sehen, sprechen wir am Flughafen Stuttgart nicht nur kein Hochdeutsch, sondern auch exzellentes Bayrisch – zumindest ich: Mein Name ist Tobias Neubauer, ich bin Verkehrsleiter vom Dienst (und Bayer). Eine meiner Hauptaufgaben ist es, dafür zu sorgen, dass der Betrieb hier am Flughafen sicher laufen kann. Mit diesem Beitrag will ich erzählen, wie ein Gewitter die Abläufe am Flughafen beeinflusst.

Und jetzt noch mal auf Hochdeutsch: Wenn ein Verkehrsflugzeug in den Bereich einer Gewitterfront kommt, nutzt der Pilot die Anzeige seines Wetterradars und sucht sich in Absprache mit den Fluglotsen einen sicheren Umweg. Turbulenzen, Hagel und Vereisung sind gefährlich für die Flugzeugzelle und die Aerodynamik. Und Gewitter verbindet man mit Donner und Blitzen. Hier sind es hauptsächlich die elektrische Entladung, die hohe Hitzeentwicklung und die extreme Ausdehnung der umgebenden Luft, welche dazu veranlassen, Schutz zu suchen. Für ein Flugzeug ist das relativ einfach, es ändert seinen Kurs oder steigt auf eine größere Flughöhe. Deswegen kann es bei Unwetterlagen sein, dass ein Flugzeug von den Standard- An- und Abflugrouten abweicht.

Auch am Boden sind Vorsichtsmaßnahmen gefragt - und der Flughafen ist kein Flugzeugträger kann nicht ausweichen. Um Passagiere und unser Personal zu schützen wird deswegen bei einem heranziehenden Gewitter die Flugzeugabfertigung eingestellt.
Wenn draußen die Welt untergeht, es blitzt und donnert, in Strömen regnet und der Wind bläst, versteht eigentlich jeder, dass das nicht das beste Wetter fürs Fliegen und die Abfertigung ist. Manchmal herrscht aber wunderschöner Sonnenschein und die Abfertigung wird trotzdem eingestellt. Sie fragen sich warum? Blitze können bereits 10 - 20 Km außerhalb einer Gewitterzelle auftreten. Eine einfache Entscheidung ist das dann nicht, die möglichen Verspätungen bei den Flügen hat man im Hinterkopf. Aber die Gefahr für Passagiere und Personal ist einfach zu groß.

Ich gehe lieber auf Nummer sicher und stelle die Abfertigung ein. Dann darf sich keine Person mehr außerhalb von Fahrzeugen oder Gebäuden aufhalten. Bei einem gelandeten Flugzeug, welches auf seine Parkposition rollt, werden dann z.B. keine Bremsklötze unterlegt, keine Treppen oder Bodenstromgeräte angestellt, das Gepäck wird auch nicht mehr ausgeladen, laufende Betankungen werden abgebrochen, im Grunde wird jede Arbeit auf dem Vorfeld eingestellt. Als Ausnahme können Flugzeuge, die an einer Fluggastbrücke stehen, die Passagiere noch aussteigen lassen. Auch bei Flugzeugen, die eine eigene ausfahrbare Treppe haben ist es grundsätzlich möglich, dass die Passagiere aus- bzw. einsteigen, das erfolgt dann aber unter der Verantwortung des Piloten.

Auf das Fliegen selbst hat so eine Abfertigungseinstellung erst mal keinen Einfluss. Jeder Flugzeugtyp hat individuelle Wettergrenzwerte, bis zu denen er betrieben werden darf. Ein wichtiger Punkt ist z.B. der maximale Seitenwind. Wenn der zu stark ist, bleibt der Flieger am Boden bzw. geht in die Warteschleife oder fliegt seinen Ausweichflughafen an. Regnet es mit dem Gewitter jedoch sehr stark, muss ich schon mal wegen zu hohem Wasser auf der Runway den Flugbetrieb einstellen. Aquaplaning gibt’s auch für Flugzeuge.

Wie stelle ich nun fest, ob ein Gewitter Richtung Flughafen zieht? Ich schaue ja nicht nur aus dem Fenster. Das gehört auch dazu, reicht aber für die Vorhersage nicht ganz. Zunächst bekommen wir vom DWD (Deutsche Wetterdienst) eine Gewitterwarnung. In der steht der grob zu erwartende Zeitraum und mit welcher Windrichtung- und Geschwindigkeit zu rechnen ist. Dann habe ich noch Zugriff auf ein DWD-Internetportal mit verschieden aufbereiteten Radar- und Satellitenbildern und Prognosen. Beispielsweise zeigt ein System die Position, Stärke, vermutliche Zugrichtung und -geschwindigkeit der Gewitterzellen an. Anhand des Regenradars kann man den Verlauf und die Intensität einer Gewitterfront auch recht gut abschätzen.

Die wichtigsten Werkzeuge sind aber die Blitzkarten (siehe Grafik). Diese werden 5-minütlich aktualisiert. Hier kann ich den Verlauf der Blitzeinschläge beobachten. Jedes Kreuz steht für einen Blitzeinschlag. Rot sind die aktuellen, danach im 10-Minuten-Abstand Orange, Gelb, Babyblau, Blau und Lila. Freilich schaue ich auch aus dem Fenster, bzw. funke mit meinem Kollegen, der auf dem Vorfeld mit dem Auto unterwegs ist, wie er die Lage draußen sieht. Kommen dann die Blitze dem Flughafen zu nahe, absolutes Minimum sind 5 km um den Flughafen, wird die Flugzeugabfertigung eingestellt. Ich drücke quasi auf den roten Knopf und es geht nix mehr auf dem Vorfeld. Per Alarmmeldungssystem werden die relevanten Stellen über den Abfertigungsstopp informiert. Draußen signalisiert mein Kollege dem Personal vor Ort die Einstellung.

Das Abziehen des Gewitters kann ich auch wieder recht gut auf dem Computer verfolgen. Schlagen in Flughafennähe keine Blitze mehr ein, lasse ich die Abfertigung wieder anlaufen und der Betrieb normalisiert sich wieder. Bis das nächste Gewitter kommt.

Oans mecht i zum Schluss no sagn: A wenn so a Weda d’Arbeit am Flughafen ned grad leichter macht, so ghörts wia da Sonnenschein, Wolkn, Regn und aa da Schnee zum Freiluftsport Fliagarei einfach dazua.

Habe d’Ehre




28.08.2012

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