Neuer Weg ins Büro

Dass die Feuerwehr in vielen Notlagen hilft, ist ja allgemein bekannt. Dass ihre unmittelbare Hilfe notwendig ist, um zur Arbeit zu kommen, war mir neu. Habe ich aber letztens erlebt.
Seit ich nicht mehr weit weg vom Flughafen wohne, fahre ich meistens mit dem Fahrrad zum Dienst. So auch letzten Samstag, zu einem Mitteldienst, der beginnt um halb zehn. Samstags werden tagsüber etwas weniger Flüge abgefertigt. Also denke ich, dass es eine entspannte Schicht werden könnte, als ich die Treppe in den dritten Stock hochgehe, wo mein Büro und auch der Umkleideraum liegen.
Im Treppenhaus kommen mir aber schon ungewöhnliche Geräusche entgegen. Hämmern, Klappern, aufgeregte Gespräche. Oben angekommen schaue ich ums Eck und werde überrascht. An der Glastür, die zu meinen Diensträumen führt, hängen drei unserer Feuerwehrleute und ziehen daran. Hinter dem Glas winken und grinsen mir zwei Kollegen entgegen. Davor stehen noch der Einsatzleiter der Feuerwehr und zwei weitere Kollegen aus dem Verkehrsleitungsbereich. Mein Blick sagt wohl ziemlich eindeutig: „Wos is denn hier los?“
Die Tür geht, aus was für Gründen auch immer, nicht mehr auf. Und weil es eine Brandschutztür ist, wehrt sie sich auch ordentlich gegen die Versuche der Feuerwehrleute. Seit einer halben Stunde bearbeiten sie die Tür, haben verschiedene Verkleidungen abgeschraubt, an unterschiedlichen Stellen Hebel angesetzt, aber die Tür bleibt standhaft zu.
Doch wie komme ich jetzt zum Dienst? Wie kommen die Kollegen der Frühschicht raus? Es drängt zwar nicht, aber irgendwann müssen die Dienste übergeben werden. Die Feuerwehr hat schon eine Lösung parat, die große Drehleiter kommt zum Einsatz. Denn der einzige noch mögliche Zugang zu den Räumlichkeiten ist ein Fenster in unserer Teeküche – wie gesagt, dritter Stock.
Bei dem Wort Drehleiter kriege ich große Augen. Einerseits will ich nach dem Fahrradfahren recht schnell duschen, andererseits wollte ich mit der Drehleiter aber immer schon mal mitfahren. Also geht’s runter vor das Verkehrsleitungsgebäude, wo das Fahrzeug bereitsteht. Allerdings muss ich jetzt nicht die Leiter hochsteigen, nein, man wird recht komfortabel mit einem Korb hochgefahren. Vorher muss ich noch Gurtzeug zur Absicherung anlegen. (Hätte ich das gewusst, hätte ich meinen Klettergurt mitnehmen können.)
Nachdem ich ordentlich gesichert und angehängt wurde, geht es los. Die Fahrt an sich ist sehr ruhig, es wackelt nichts. Interessant ist der Schluss. Der Korb muss am Fensterrahmen aufgelegt werden, ein kleines Gatter im Korb wird geöffnet, und ich steige durch das Fenster in die Küche. Dann sage ich erstmal den eingeschlossenen Kollegen „Hallo“. Diese müssen/dürfen dann aber nicht mehr den Weg über das Fenster nehmen, die Tür kann kurze Zeit später geöffnet werden. Die Tür hätte man im Notfall freilich auch schneller aufbekommen, erzählt mit später der Feuerwehreinsatzleiter. Allerdings wäre diese dann nicht mehr zu gebrauchen gewesen.
Letztendlich war es für einen ruhigen Samstag ein ungewohnter Dienstbeginn.
Und nochmal vielen Dank an die Kollegen der Feuerwehr!




18.08.2015

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