Führung über das Airportgelände

„Wird des net langweilig – jeden Tag am Flughafen?“ Nein, es ist nie langweilig mit so netten wie auch höchst unterschiedlichen Besuchern den Flughafen Stuttgart hinter den Kulissen jedes Mal neu zu erleben. Seit mehr als 10 Jahren freue ich mich täglich aufs Neue auf die Kinder und Erwachsenen, die mit teils staunenden Augen teils aber auch kniffligen Fragen versuchen, die unbekannte Flughafenwelt jenseits der Check-in-Bereiche zu ergründen.

Und zu ergründen gibt es am Stuttgarter Flughafen außerordentlich viel – etwa die Feuerwehr mit Fahrzeugen, die bislang zu den modernsten der Welt gehören, die interessante Gepäckabwicklung und die Zollkontrolle mit der „Asservatenkammer“, in der die beschlagnahmten Gegenstände zu sehen sind. Ein besonderes Highlight ist es natürlich auch, wenn auf dem Vorfeld die Piloten der vorbeirollenden Flugzeuge den Besuchern zuwinken und alle Gäste beobachten können, wie direkt neben ihnen Flugzeuge abheben. Fragen gibt es während einer Führung natürlich auch viele – und die sind oft eine echte Herausforderung: „Wie schwer ist der Flughafen?“, „Wo sind die Schafe, mit denen Sie früher das Gras gemäht haben?“, „Was verdient ein Feuerwehrmann?“ Natürlich bleibe ich keine Antwort schuldig.

Das hätte ich mir in meinen jungen Jahren nicht zu träumen gewagt als Flughafenführer eines Tages „meinen Flughafen“ zeigen zu dürfen.
Aber wie ein roter Faden zieht sich die Nähe zum Fliegen in meinem Berufsleben bis heute durch. Nach einer Ausbildung bei der Firma Bosch war ich als Versuchsmechaniker mit Flugzeugteilen beschäftigt. Später als Ingenieur bei der DFVLR (Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt), heute DLR, konnte ich bereits die ersten Versuche bei der Entwicklung eines Ionentriebwerks mitverfolgen. Inzwischen erlebe ich am Flughafen, wie das DLR das erste mit Wasserstoff betriebene Flugzeug „Antares“ vorstellt und das weltweit erste Bugrad mit gleichem Antrieb auch schon an einem Airbus 320 erprobte.

Als mich dann vor ca. 10 Jahren der Leiter der Flughafenführungen, Frank Dizinger, ansprach, ob ich Flughafenführungen übernehmen möchte, habe ich dem sofort zugestimmt. Da wir Besuchergruppen aus aller Welt hier begrüßen dürfen – die Führungen werden auch in Englisch oder Spanisch durchgeführt – ist es für mich eine interessante und abwechslungsreiche Aufgabe, die Besucher für unseren Flughafen zu begeistern.

„Sind Sie der Chef vom Flughafen?“ – Kinder fragen so was häufig. Die Antwort: Nein, aber ich fühle mich, als ob es meiner wäre.
Ihr Franz Reich

PS: Ihnen bleibe ich die Antworten auf die oben gestellten Fragen natürlich auch nicht schuldig – gemäht wird jetzt maschinell und das Gras weiterhin verwertet aber zur Energiegewinnung.
Der Verdienst eines Feuerwehrmannes liegt je nach Rang und Alter bei ca. 2.000 € bis 4.000 €.
Das Gewicht des Flughafens zum selber nachrechnen: von 400 ha Fläche ist die Hälfte begrünt. Der Rest ist betoniert oder bebaut. :-)




18.01.2012

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