Feuerwehr mal anders

Nicht nur Helfer, sondern auch Hochleistungssportler – darum geht’s in meinem Blog-Beitrag. Doch zuerst einmal zu mir: Mein Name ist Thomas Heinold, ich bin 43 Jahre alt und seit 2014 Mitarbeiter bei der Flughafenfeuerwehr Stuttgart. Ich bin quasi mit der Feuerwehr aufgewachsen und seit meinem 11. Lebensjahr bei der freiwilligen Feuerwehr. Seit ich das beruflich mache, interessiere ich mich für verschiedene Feuerwehrextremsportarten. In einem Jahr nehme ich an rund 10 Wettkämpfen teil. Das sind unter anderem Treppenläufe in voller Feuerwehrausrüstung oder eine Feuerwehr-Challenge, bei der ich einen Parcours in voller Schutzausrüstung bewältigen muss. In meinen Blogs möchte ich euch den Wettkampf der Feuerwehr-Challenge bzw. die zwei härtesten Minuten im Feuerwehrsport mal näherbringen.

Der Wettkampf nennt sich „Firefighter Combat Challenge“ und kommt ursprünglich aus den USA. Dort wurde in den 70er-Jahren ein Fitnesstest für Feuerwehrleute ins Leben gerufen, der sich dann in den 90er-Jahren zu einem Wettkampf entwickelte. Heute werden zahlreiche Wettkämpfe auf der ganzen Welt veranstaltet, bei dem sich die Feuerwehrleute messen können. Dieses Jahr im Oktober fanden in Montgomery im Bundesstaat Alabama/USA die diesjährigen Weltmeisterschaften statt, bei denen man in verschiedenen Altersgruppen antritt. Ich machte mich mit 16 weiteren Feuerwehrkollegen aus ganz Deutschland auf den Weg in die USA, um mich dort mit vielen Feuerwehrleuten aus der ganzen Welt zu messen.

Bei dem Wettkampf handelt es sich um einen nachempfunden Feuerwehreinsatz, der in voller Feuerwehrausrüstung und angelegtem Atemluftgerät absolviert werden muss.

Die Challenge

Trotz intensivem Training und zahlreichen Wettkämpfen zuvor, steigt die Aufregung immer wieder in einem auf, bis das Startsignal ertönt. Aber dann läuft alles automatisch: Nach dem Start muss ich ein 19 kg schweres Schlauchpaket in das dritte Obergeschoss eines Turms tragen und dort abgelegen. Anschließend ziehe ich ein weiteres Schlauchpaket von 19 kg an einem Seil die 12 Meter nach oben. Danach geht es sofort wieder die drei Stockwerke nach unten. Jede Stufe muss benutzt werden, sonst gibt es Strafzeiten! Unten angekommen möchte ich manchmal am liebsten alles hinwerfen – aber „nein“, ein Feuerwehrmann gibt nicht auf.

Ich nehme alle Kraft zusammen und schlage ein 74,5 kg schweres Gewicht mit einem 4 Kg schweren Hammer  1,5 m nach hinten. Das simuliert den Kraftaufwand des Öffnens einer Tür.  Im weiteren Verlauf laufe ich durch einen 40 Meter langen Slalomparcours, an dessen Ende ein mit Wasser gefüllter Feuerwehrschlauch liegt. Diesen muss ich dann 30 Meter zurückziehen, um das vorgegebene Ziel anzuspritzen.

Alles tut weh

Spätestens an dieser Stelle brennen mir die Beine und die Lunge so, dass ich manchmal meine, es geht wirklich nicht mehr. Aber doch es geht. Ist der Schweinehund erstmal überwunden, geht alles. Nun kommt die sogenannte Königsdisziplin, die Menschenrettung.  Neben dem Spritzziel liegt eine 80 kg schwere Menschenpuppe, die ich rückwärts 30 Meter bis ins Ziel ziehe. Und wenn ich im Ziel ankomme, ist das so ein erleichtertes, glückliches Gefühl, dass ich diese Leistung wieder einmal vollbracht habe.

Eine ganzbesondere Auszeichnung in diesem Sport ist die Aufnahme in den Lion´s Den Club. Das bedeutet, dass die Challenge in einer vorgegebenen Zeit je nach Alter absolviert werden muss – und ich bin jetzt drin! Die zeitliche Vorgabe für den Parcours liegt in meiner Altersklasse bei unter 2:00 min. Mein hartes Training für diesen Wettkampf hat sich gelohnt. Ich konnte in meiner persönlichen Bestzeit von 1:43 min in die Löwengrube aufgenommen werden. Darauf bin ich sehr stolz, und es bestätigt mich in meinem Vorhaben, mich durch dieses Wettkämpf immer fit für den Ernstfall zu halten.




22.12.2016

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