Andachtsraum am Airport

Der Flughafen ist ein Ort mit vielen Menschen, vielen Religionen, Kulturen und Sprachen.
Unabdingbar für das Funktionieren eines Flughafens ist ein reibungsloser Informationsaustausch, egal ob es sich um die Kommunikation mit den unterschiedlichsten Passagieren oder um die Übermittlung technischer Daten handelt. In den Pfingstferien sind beispielsweise sehr viele Passagiere in den Abflughallen. Nicht auszudenken, wenn irgendwo die Kommunikation nicht funktionieren würde!

Vor ein paar Tagen feierten wir am Flughafen den Pfingstgottesdienst. Der zentrale biblische Text zum Pfingstfest berichtet uns von dem sogenannten Sprachenwunder:
Parther, Meder und Elamiter und andere Nationalitäten, eben Menschen von überall her, konnten einander plötzlich verstehen, weil sie den gleichen Geist, sozusagen die gleiche Wellenlänge hatten. Obwohl alle in unterschiedlichen Sprachen reden, verstehen sie sich trotzdem. Fragt sich nur, wie lange das angehalten hat: Geschehen vor über 2000 Jahren – und seither unzählige Missverständnisse und Kriege zwischen Völkern, Religionen und dazu all die vielen Sprachlosigkeiten in unseren eigenen Familien und Beziehungen.

Aber Dank der Informationstechnologie sind wir ja wieder dabei, das Wunder von Pfingsten zu wiederholen. Wir vernetzen uns, wir legen den Quellcode der Computerprogramme offen, wir erfinden Schnittstellen, die die Verständigung auch bei an sich nicht kompatiblen Sachen ermöglichen. In jeder Firma gibt es dazu Spezialisten und den Serverraum, im dem alles verschaltet und verkabelt ist. So einen Raum gibt es auch am Flughafen Stuttgart. Alles läuft.

Die Frage ist nur: Läuft wirklich alles? Es gibt Dinge, die nicht über die Technik, sondern nur über Beziehungen geregelt werden können. Über die Beziehung zu Gott und zu den Menschen.

Aber auch dafür gibt es am Flughafen Stuttgart einen Raum, den Andachtsraum.

Entgegen der elektronischen Schaltzentrale liegt der Andachtsraum im öffentlichen Bereich des Flughafens auf der Ankunftsebene in Terminal 3, und er ist für jeden frei zugänglich. Tag und Nacht steht er allen Menschen offen, gleich welcher Nationalität und welcher Religion. Die Innengestaltung weist eine christliche Grundprägung auf, die jedoch so ausgeführt ist, dass sich auch Muslime oder Juden willkommen fühlen. Im Gegensatz zu vielen anderen Airports gibt es am Flughafen Stuttgart nur einen Raum für alle Religionen. Und das erstaunliche ist: die Verständigung klappt, die Menschen unterschiedlichsten Glaubens respektieren sich gegenseitig. So wie an Pfingsten vor 2000 Jahren in Jerusalem ist es auch im Andachtsraum am Flughafen Stuttgart.

Weshalb funktioniert das hier, ohne viele Verkabelungen und kompatible Schnittstellen? Vielleicht deshalb, weil nur wenige Gegenstände und Symbole die Richtung zum Gebet weisen: der Altar, das Kreuz, der Tabernakel, aber auch der Pfeil in Richtung Mekka. Der Andachtsraum verweist auf das Gespräch mit Gott, er bietet uns Raum, um in Ruhe das zu sortieren, zu beklagen, was in den zwischenmenschlichen Beziehungen nicht läuft, nicht kompatibel ist, wo es Verletzungen gibt. Der Andachtsraum ist aber auch der Platz, wo wir unsere Freude und unseren Dank aussprechen oder zusammen mit anderen um einen guten Verlauf der Reise bitten können. Viele Einträge im Anliegenbuch sprechen davon.

Am besten ist, Sie gehen einfach mal im Terminal 3 vorbei, schauen sich den Andachtsraum an und gönnen sich ein paar Minuten Stille!




16.06.2011

Aus Datenschutzgründen werden die Kommentare erst geladen, wenn Sie den Disqus-Dienst aktiviert haben. Bitte beachten Sie, dass nach Ihrer Zustimmung Daten mit anderen externen Diensten ausgetauscht werden.
Datenschutzhinweis lesen