Wie komme ich zu meinem Flugzeug?

Das ist eine Frage, die ich ja gerne beantworte. Lieber ist es mir jedoch, wenn diese Fragestellung erst gar nicht aufkommt. Ich heiße Hans-Rudolf Blanchard und bin bei der Flughafen Stuttgart GmbH im Center Immobilien, Marketing und Vertrieb tätig. Unter anderem befasse ich mich mit der Beschilderung und dem Fluggast-Leitsystem – nicht nur in der Planung, sondern bis zur Schilderherstellung und Montage.

Natürlich wollen wir unseren Fluggästen und Besuchern einen möglichst angenehmen Aufenthalt ermöglichen. So ein Flughafen ist eine sehr komplexe Einrichtung. Da gibt es Check-ins, Kontrollstellen, Gates, Zoll, Drehkreuze, Shops, Gastronomie…, um nur einige Einrichtungen zu nennen. So kommt eine Vielzahl an Interessen zusammen, die auch noch in drei Terminals und auf vier Ebenen ihre räumliche Zuordnung haben.

Wie bekommt man da System in die Beschilderung, so dass auch jeder seinen Point of interest auf möglichst direktem Weg anlaufen kann? Jedem recht getan wäre eine Kunst, die niemand nützen würde. Oft ist weniger mehr. So ist eine der wichtigsten Aufgaben der Beschilderung die weiträumige Erkennbarkeit und Lesbarkeit. Dies versuchen wir in deutscher und englischer Sprache zu gewährleisten. Meistens wird der Text ergänzt durch die Bildsprache in Form eines Piktogrammes. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte und wird sprachübergreifend verstanden.

Doch bei allen Bemühungen müssen wir uns stets die Tatsache vor Augen halten, dass sich in einem Terminal vielfältige Eindrücke überlagern und um Aufmerksamkeit heischen. So stellte sich zum Winterflugplan eine recht anspruchsvolle Aufgabe, bei der unterschiedlichste Anforderungen unter einen Hut zu bringen waren: eine neue Beschilderung für Transit-Passagiere. Da kommen also Menschen an, die auf Anschlussflüge zu den verschiedensten Destinationen gelenkt werden müssen. Dazu gibt es dann eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Bauherrschaft, der Verkehrslenkung, der Terminalaufsicht, der Hochbauleute, Sicherheitsleute, Gestalter und Bauausführenden.

In diesem Fall ging aus den Meetings folgender Beschluss hervor: Transfer-Passagiere werden optisch mit einer durchgehenden Farbe und einheitlichem Piktogramm angesprochen. Diese leiten Reisende von ihren verschiedenen Ankunftswegen zu zentralen Transfer-Countern. Von dort werden die Passagiere den entsprechenden Gates dynamisch zugeteilt. Die auszuwählende Leitfarbe sollte nicht mit einer bestimmten Airline assoziiert werden, mit keinem Leitsystem konkurrieren und sich harmonisch in die Terminals einfügen. Die Wahl fiel auf die Farbe Blau, die zudem die Corporatefarbe des Flughafens ist.

Nun war meine Aufgabenstellung die knapp 100 Standorte zu katalogisieren, Realisierungsvorschläge zu machen, den Aufwand und damit die entstehenden Kosten zu ermitteln, die Entscheidungsvorlage in Form von Fotomontagen zu erstellen sowie das Layout und die Produktionsdaten für die Beschilderung bereitzustellen.

Es ist nicht einfach, die unterschiedlichsten Anforderungen und Erwartungen vom Bauherrn, den Nutzern, der Sicherheitsabteilung und vor allem der Passagiere zusammenzubringen. Mich begeistert es aber total, wenn ich sehe, wie diese Gemengelage an Interessen vereint werden kann und vor Ort durch meiner Hände Arbeit sichtbar wird.

Dann kann mich auch die Frage unter dem Hinweisschild zum Reisemarkt nicht mehr erschüttern, wenn der verträumt durch mich hindurch blickende Urlauber nach dem Reisemarkt fragt; denn Reisen ist ja sooooo schön.

*ADD-ON*
In unserem Flughafenmagazin "Flugblatt" gibt's mehr Infos zu dem Thema: Da geht's lang




02.01.2012

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