Spannung am Boden

Einfach einparken und Stecker einstecken! Das erinnert vielleicht an E-Mobility, aber hier geht’s um Stecker und Ströme, die ein bisschen größer sind: Ich erzähle heute davon, wie ein Flugzeug seinen Strom bekommt, wenn es „parkt“ und die Passagiere ein- und umsteigen.

Mein Name ist Colin Haley und ich bin seit 2013 in einer der Elektrofachabteilungen des Stuttgarter Flughafens beschäftigt.

Ein Aufgabenbereich unserer Abteilung ist die Spannungsversorgung der Flugzeuge, während diese auf den Vorfeldpositionen halten und ihre Triebwerke ausgeschaltet haben. Während das Flugzeug steht, ist der bordeigene Stromerzeuger ausgeschaltet. Damit die Crew auch am Boden die Bordküche nutzen oder die Instrumente im Cockpit einschalten kann, muss die Netzspannung, die wir auch zu Hause aus der Steckdose bekommen, umgewandelt werden. Nicht jedes Land hat dieselbe Netzspannung, jedoch jedes Flugzeug dieselbe Betriebsspannung.

Jede unserer acht Fluggastbrücken ist mit einem dieser Spannungsumformer und jeweils zwei Kabeln für die Flugzeuge ausgestattet. Die Flugzeuge, die in Stuttgart starten und landen, benötigen im Normalfall nur eines der beiden. Größere Maschinen müssen mit beiden oder sogar vier Kabeln versorgt werden. Ist eines der Kabel mal beschädigt oder die Steuerung gestört, kann der Betrieb bei „kleinen“ Fliegern also weiterlaufen.Das Einstecken dieser Kabel in die Flugzeuge übernehmen die Mitarbeiter des Bodenpersonals. Sobald sie ein Problem feststellen, wird die technische Leitstelle informiert, die wiederum uns Elektriker benachrichtigt. Das kann auch mal spät abends oder sogar nachts passieren.

Für unsere Vorfeldpositionen ohne Fluggastbrücken stehen mobile GPUs (Ground Power Unit) bereit, die mithilfe eines Dieselmotors den Flugzeugstrom erzeugen. Das sind kleine gelbe Fahrzeuge, die auch mal an einer der Fluggastbrücken eingesetzt werden können, wenn an dieser eine große Wartung durchgeführt wird.

Außerdem gibt es 14 Parkpositionen, die über einen stationären Stromanschluss verfügen. Dort können weitere Umformer angeschlossen werden, die ähnlich wie an der Fluggastbrücke die Hausnetzspannung in Flugzeugspannung umwandeln. Sie sehen aus wie kleine graue Anhänger (wie auf dem Bild zum Beitrag zu sehen). Zwar sind sie mobil, jedoch werden sie in der Regel nur zu Wartungszwecken von ihrer Position fortbewegt.

Damit die Kontakte sauber bleiben, alle Taster und Sicherheits- und Steuerfunktionen funktionieren und beschädigte Stecker oder Kabel ausgetauscht werden, müssen alle Anlagen regelmäßig gewartet werden. Nur durch die regelmäßige Überprüfung dieser Dinge kann sichergestellt werden, dass die Anlage ordentlich arbeitet und sich keiner der Mitarbeiter des Bodenverkehrsdienstes daran verletzt.

Eines unserer Werkstattfahrzeuge ist deshalb mit allerlei Werkzeug, Ersatzteilen und außerdem der „Lastbank“ ausgestattet. Die Lastbank simuliert ein Flugzeug. An ihr kann einer dieser Flugzeugstecker eingesteckt werden. So kann man prüfen, messen und dokumentieren, wie sich der Umformer verhält, wenn er mit einem Flugzeug verbunden ist, ohne dass wir ein echtes Flugzeug benötigen.

Bei diesen riesigen Steckern und Kabeln liegt auch ein ordentliches Gewicht auf dem Boden. Das hat zur Folge, dass beides stark verschleißt, wenn es über den Boden bewegt wird. So kann es vorkommen, dass „nur“ der Stecker kaputt ist oder auch mal ein ganzes Kabel. Beim Austausch oder der Reparatur der Geräte und Komponenten muss man sehr vorsichtig sein, damit alles weiterhin fehlerfrei und sicher funktioniert.

Ist der Flieger startklar, schaltet der Bodenverkehrsdienst den Umformer aus. Wer dann beobachtet, dass der Stecker gezogen wird, weiß, dass es gleich losgeht.




27.10.2014

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