Pilotenschein und Flugzeugpapiere bitte!

Blaulicht an, rote Kelle aus dem Fenster und rechts ran fliegen – so funktionieren Kontrollen von Flugzeugen natürlich nicht, aber es wird kontrolliert. Dafür ist die Luftaufsicht zuständig. Am Flughafen Stuttgart gibt es inklusive meiner Person 11 Beauftragte für Luftaufsicht, die diese Tätigkeit im Auftrag des Regierungspräsidiums Stuttgart durchführen. Damit wir den Job überhaupt machen können, brauchen wir natürlich einen entsprechenden Background. Daher haben meine Kollegen und ich entweder eine Pilotenausbildung und/oder wir kommen aus Luftfahrtberufen, bei denen der Umgang mit solchen Vorgängen zum täglichen Handwerk gehörte.

Zwar wird nicht jedes einzelne Flugzeug überprüft, aber bei Stichproben kann es jeden zivilen Flieger treffen; Militärmaschinen, v.a. amerikanische, fallen nicht in unseren Zuständigkeitsbereich. Der Schwerpunkt liegt bei den Passagierjets, egal ob in- oder ausländische Maschinen. Für Luftfahrzeuge der allgemeinen Luftfahrt interessieren wir uns aber ebenso. Dazu gehören Business-Jets, Hubschrauber, Propellermaschinen, Ultraleichtflugzeuge, Motorsegler, eben alles was hier so kreucht und fleucht.

Was kontrollieren wir nun genau? Im Grunde den technischen Zustand des Fliegers und die Papiere von Flugzeug und Crew. Wir nehmen den Flieger allerdings nicht auseinander. Wir machen eigentlich dasselbe, wie ein Pilot vor jedem Flug: einen “Walk-Around”. Begonnen wird bei der Schnauze, bei größeren Flugzeugen ist darunter z.B. das Wetterradar versteckt. Weiter werden die Sensoren für Geschwindigkeit und Höhe untersucht, ob diese evtl. verstopft oder verbogen sind. Dann zum Fahrwerk, Risse in Reifen oder z.B. abgenutzte Bremsen wären Mängel. Gibt es an Rumpf, Flügel oder Leitwerk verdächtige Dellen, fehlen Schrauben oder ist der Rumpf extrem dreckig? Dies wäre ein Hinweis auf Lecks. Wie ist der Zustand der Triebwerke? Hier wären Dellen oder etwa verbogene Schaufeln/Blätter ein großes Problem, da diese zu starken Unwuchten führen können. Und man steckt auch schon mal die Nase in den Turbinenauslass. Wenn es nach Brathendl riecht, hat es wohl beim vorangehenden Flug einen Vogel erwischt.

In den Laderäumen prüfen wir, ob die Ladung gesichert ist und ob sie nicht zu hoch gestapelt ist. Danach geht es in die Kabine: Zugänglichkeit der Notausgänge, Funktion der Notbeleuchtung, ausreichende Zahl an Feuerlöschern, Verbandkästen und Sauerstoffflaschen, der Zustand der Sitze und Gurte,… alles wird unter die Lupe genommen.

Wenn es überhaupt was zu bemängeln gibt, sind es in den allermeisten Fällen Kleinigkeiten, die sofort behoben werden. Und wenn es doch was Größeres ist, klären wir zunächst, ob festgestellte Mängel der Crew vielleicht schon bekannt sind, und ob Maßnahmen zur Beseitigung eingeleitet wurden. Von Flugzeugherstellen und Airlines gibt es für Schäden oder Systemausfälle genaue Vorgaben, unter welchen Umständen der Flug fortgesetzt werden kann. Ist z.B. ein Notausgang defekt, muss die Zahl der Passagiere verringert werden. Ist im Laderaum ein Netz zur Ladungssicherung gerissen, muss dieser leer bleiben. Erst wenn solche Maßnahmen nicht ergriffen oder flugverhindernde Mängel nicht beseitigt wurden, wird ein Startverbot ausgesprochen – die Maschine wird gegroundet wie wir im Fachjargon sagen.

Der zweite große Kontrollpunkt sind die Papiere. Zum einen Versicherungen, Zulassungen, Lärmschutzzeugnis, Einflugrechte, usw.. Zum anderen die Papiere der Piloten, also etwa Flugschein mit Berechtigungen, flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis oder Sprachnachweis werden geprüft. Hier gibt es auch kaum Beanstandungen.

Zu den Papieren zählt aber auch noch die Flugvorbereitung: Wetter- und Navigationsdaten, Flugplan, Beladeplan, Treibstoffberechnung, usw. müssen aktuell bzw. korrekt sein. Hier gibt es – meist im Bereich der allgemeinen Luftfahrt – einzelne Hobbypiloten, bei denen das nicht zufriedenstellend gemacht wurde.

Mit unserem Job machen wir uns – Sie können es sich vorstellen – zwar nicht immer beliebt, aber der Job dient der Sicherheit. Aber dennoch: Meine Aufgabe ist abwechslungsreich und spannend – und letzten Endes auch sinnvoll und nötig.




26.08.2013

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