Nervensystem aus Kupfer und Glas

Während beim Menschen das Nervensystem aus vernetzten Nervenzellen (Neuronen) besteht, die sämtliche Abläufe im Körper steuern, besteht beim Flughafen Stuttgart das „Nervensystem“ aus Kupfer und Glas. Mein Name ist Stefan Schwarz und ich arbeite seit fast 24 Jahren bei der Flughafen Stuttgart GmbH (FSG). In der Arbeitsgruppe FB 4 kümmern wir uns hauptsächlich um die Kommunikation, sei es über Telefon oder auch über unser Netzwerk, über welches unsere PCs und Server kommunizieren. Das komplette Leitungsnetz auf dem Flughafencampus wird von uns gestellt und betreut. Es wird von der FSG selbst wie auch von allen sonstigen auf dem Campus angesiedelten Unternehmen und Behörden genutzt.

Würde man alle Glasfaserleitungen miteinander verbinden, so könnten wir eine Verbindung vom Flughafen Stuttgart bis nach Peking (7840 km) herstellen. Unser Kupfernetz, das alle Gebäude und Büros auf dem ganzen Campus miteinander verbindet, umfasst über 80 000 Kupferdoppeladern. Über diese Kupferleitungen wird am Flughafen alles angebunden, das im Niedervoltbereich betrieben wird, vom klassischen Telefon, den Lautsprechern über die Hindernisbefeuerung bis hin zu Uhren, Zeiterfassungsgeräten, Türöffnern oder Brandmeldern. Aber auch das höherwertige AKN-Netz (das ist unser Netzwerk) besteht neben diversen Switchen (den Weichen innerhalb des Netzwerks), Servern und Routern hauptsächlich aus Kupferleitungen. Über dieses hochwertige Netz werden unsere Rechner mit Daten versorgt – und in naher Zukunft auch die neuen VoIP-Telefonendgeräte.

Um einen sicheren Betrieb über diese Netze zu gewährleisten, ist eine aktuelle und lückenlose Dokumentation notwendig. So sind im Hightech-Zeitalter, in dem ohne Computer nichts mehr zu gehen scheint, der Radiergummi und der Bleistift die wichtigsten Arbeitsmittel in der Arbeitsgruppe FB 4. Jede Änderung wird sofort mit Bleistift vor Ort in ein Papierverzeichnis eingetragen oder ausradiert. Das System klingt zwar etwas altmodisch, ist aber konkurrenzlos gut, denn nur so können wir sagen, unser Verzeichnis stimmt, was besonders im Störungsfall extrem wichtig ist. Nur so können wir Fehler finden, auch wenn kein PC mehr läuft.

Was mit einem selbst los ist, wenn man sich mal einen Nerv eingeklemmt hat, weiß bestimmt fast jeder, und so ist es auch am Flughafen, wenn z.B. mal ein Bagger ein Kabel abreißt. Dann läuft mit Sicherheit einiges nicht mehr richtig. Allerdings fahren wir wichtige Systeme in der Regel redundant (also doppelt) an, sodass die Störung zum Teil unbemerkt vom Endnutzer behoben werden kann. :-)

Da wir auch in der letzten Ecke im Versorgungskanal oder im Keller noch eine Telefondose betreiben, kann ich mit Recht behaupten, ich kenn am Airport wirklich jeden Fleck. Viel Abwechslung ist angesagt in unserem Arbeitsfeld, und besonders bei Störungen weiß man nie, was einen erwartet. Steht man vormittags noch im klimatisierten Büro der Geschäftsführung, um sich um ein Netzwerkproblem zu kümmern, kann es sein, dass man eine halbe Stunde später im heißen und lauten Heizverteiler im OPS-Gebäude steht, um einen neuen Wandapparat zu montieren.

Dass ein Telefon oder der PC immer läuft, ist heutzutage fast selbstverständlich. Man merkt erst, was einem fehlt, wenn`s mal nicht mehr geht. Dass dies so selten wie möglich passiert, ist unser Job.

Und so halten wir es wie ein guter Schiedsrichter beim Fußball, immer präsent, alles im Griff, aber kaum bemerkt.




16.08.2012

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