Mit Menschen arbeiten

Da bin ich wieder, André Niebusch, 44 Jahre, praktischer Ausbilder im Verkehrsbereich. Von meinem Werdegang am Stuttgarter Flughafen habt ihr ja schon erfahren. Wie versprochen erzähle ich nun von meiner Arbeit.

In unterschiedlichen Schulungen bringe ich Menschen bei, wie sie sich im Verkehr am Flughafen verhalten sollen. Natürlich gilt auch hier die Straßenverkehrsordnung, aber in unserem Sicherheitsbereich muss man noch besondere Regeln beachten – immerhin ist ein Flughafen ein ganz besonderes Umfeld! Wo sonst teilt man sich die Fahrbahnen mit Flugzeugen, Push-Back-Fahrzeugen und Passagiertreppen?

Zu unseren Ausbildungen gehören fast alle Fahrzeuge in der Abfertigung: Vom Push-Back-Fahrzeug bis hin zur Hebebühne. Jedes Fahrzeug hat seine Besonderheiten, aber ganz besonders fasziniert mich der Passagierbus. Warum? Weil man als Busfahrer viel mit Menschen zu tun hat. Und weil man dabei viel beachten muss – die Leute im Bus genauso wie den Verkehr außen.
Deswegen möchte euch heute erzählen, was alles zu einer internen Busfahrerschulung auf dem Flughafenvorfeld dazugehört.

Vorab die Information:
- so ein Passagierbus ist 3,00 m breit und 13,78 m lang
- der Wendekreis beträgt 29 m
- der Bereich auf dem Vorfeld vor den Terminals ist relativ eng bemessen

Wenn man Bus fährt, muss man also einiges beachten!

Tag 1 der Schulung: Die Schulung findet im Schulungsraum in unserem Verkehrsleitgebäude statt – das ist das lilafarbene Gebäude, das ihr vom Vorfeld aus links von der Feuerwehr seht. Unsere Busfahrer haben normalerweise schon einen Vorfeldführerschein, die allgemeinen Verkehrsregeln im Sicherheitsbereich kennen sie also schon. Trotzdem gibt es am ersten Tag noch viel Theorie zu lernen! Hier nur ein paar „Schulungsinhalte“: Verkehrs- und Sicherheitsregeln, Umgang im Verhalten mit Passagieren, Passagier Ein- und Ausstieg am Terminal und am Flugzeug, Umgang mit dem Betriebsdatenerfassungsgerät, Verhalten bei Gewitter usw.

Tag 2: Findet auf dem Vorfeld im begrenzten Areal (Flugzeugabstellposition) statt. Hier wird der Bus eingewiesen, die Teilnehmer dürfen zum ersten Mal mit dem Bus fahren. Zuerst drehen sie ein paar Runden, dann müssen sie einen Parcours durchqueren: Linkskurven, Rechtskurven und Rückwärtseinparken üben die Fahrer dabei. Danach geht es auf die Fahrstraße, Gewöhnung an die Breite des Busses und ans Kurvenfahren ohne diese zu schneiden. Zum Abschluss des Tages Einweisungsfahrt durch den Ausbilder, Flugzeug/Terminals/Tore/Inland/Ausland.

Tag 3: Übernahme und Gewöhnung an den Bus, Anfahrübungen Flugzeug/ Terminals/Tore/Inland/Ausland. Fahren im Livebetrieb mit Passagieren - das erste Mal das Gefühl erleben, bis zu 80 Menschen zu transportieren.

Tag 4: Übernahme Bus, Fahren im Livebetrieb mit Passagieren bis in die Nacht.

Tag 5: Theoretische/Praktische Prüfung.

Wenn der Prüfling beides besteht, dann muss er noch 6 Tage in Begleitung eines ausgewählten Busfahrers fahren. Eine Brandschutz- und eine Erste Hilfe-Schulung ist auch Voraussetzung.

Was das Busfahren ausmacht?

Der Mensch:

- das Kind, das ein mit großen Augen anschaut, wenn es einsteigt, und ein Winken oft mit einem Lächeln erwidert.
- die Gruppe, die meist dadurch auffällt, dass sie dieselben T-Shirts trägt und der man erst erklären muss, dass sie nicht alleine auf der Welt sind und dass jemand, der zu laut singt, nicht unbedingt mit in den Flieger nach Palma darf.
- der Passagier, der anscheinend die Mitarbeiter vom Flughafen nicht mag geschweige denn in einen Bus einsteigen möchte und das auch in einer „liebenswerten Art“ dem Fahrer mitteilt.
- der Passagier, der es schafft, beim Ein- /Aussteigen innerhalb von ein paar Sekunden alles über sich, sein Leben bzw. den Urlaub zu erzählen.
- und natürlich der Fahrschüler, der nun all das für sich erst einmal verarbeiten muss, den Menschen und seinen Bus.

Langweilig wird es also nie… Ist das nicht ein cooler Job!




09.04.2014

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