Kulturschock am Airport - Part 5

Natürlich liegt der Schwerpunkt für mich und meine direkte Arbeit auf dem Bereich Presse. Aber ich leite die Stabsstelle Presse und PR des Airports. Hinter dem Kürzel PR verbirgt sich in Stuttgart vor allem die Organisation von Events, Flughafenpublikationen, Social Media oder auch Flughafenführungen.

Nach der Eröffnung von Terminal 1 im Jahr 1991 wollten wir den Flughafen Stuttgart als einen Ort etablieren, an den man gerne geht. Wo etwas los ist. Denn davor war der Airport mit seinem historischen, über 40jährigen Terminal einfach kein Ort, an den man am Wochenende fuhr. Dazu war er einfach zu alt und schmuddelig.
Es begann dann 1992 mit monatlichen Blasmusik-Konzerten auf der Aussichtsterrasse, gefolgt von monatlichen Reisemärkten in den Terminals. Inzwischen finden hier viele Veranstaltungen statt, der Sonntag ist aufgrund der Tagesausflügler ein starker Tag in der Gastronomie. Zum Flughafen geht man gerne.

Um die Events kümmern sich mehrere Mitarbeiter. Das Kinderfest als größte Veranstaltungen gibt’s fast so lange wie mich am Flughafen. 21 Mal wurde es bereits organisiert. Als es einmal – während der großen Luftfahrtkrise nach den Attentaten aufs World Trade Center in New York – dem Rotstift zum Opfer fiel, gab es viele Beschwerden. Nicht nur von enttäuschten Besuchern, auch von der Gastronomie. Die verzeichnet regelmäßig Rekordumsätze. Aber die Absage war – hoffentlich – einmalig.
Zu den Events gehörten früher viele Staatsempfänge. Unter Ministerpräsident Lothar Späth brauchte man den roten Teppich für die Regierungsgäste fast nicht mehr einzurollen, so häufig war Baden-Württembergs Landesflughafen in den Medien. Unter den folgenden Regierungen wurde das dann immer weniger, und sank dann fast auf den Nullpunkt. Weniger Arbeit für uns – aber auch weniger Medienaufmerksamkeit für das Land.

Die Flughafenzeitung Flugblatt ist nach meiner Überzeugung eine der herausragenden Publikationen an deutschen Flughäfen. Weil sie versucht, die Leser journalistisch zu informieren und mitzunehmen und nicht mit reiner Werbung zu bespielen. Aber die journalistische Qualität zu halten und sich gleichzeitig neuen Entwicklungen anpassen – es ist eine spannende, manchmal anstrengende Diskussion mit anderen Abteilungen. Spaß? Dabei eher weniger.

Mein Fazit: Ich bin überzeugt, dass es kaum Jobs in der Kommunikation gibt, die so vielfältig, stressig, nervenaufreibend, herausfordernd und faszinierend sind, wie die Tätigkeit an einem Flughafen mit seinen vielen Dienstleistern und Unternehmen. Fast jeden Tag gibt es eine – kleine – Krise, rufen Pressevertreter an, beschweren sich Kunden, haben Flugzeuge Verspätung, streiken Piloten, gibt es Wartezeiten vor den Kontrollen, fühlen sich Kunden unfreundlich bedient, muss die Startbahn wegen Schnees geräumt werden, gibt es vielleicht Bombenalarm, beschweren sich Anwohner über Fluglärm usw. usw. Und die Presse und PR versucht, all das transparent und schnell zu bearbeiten.

Passend zum Arbeitsplatz weiß ich: 24 Jahre – vergangen wie im Fluge.




28.12.2015

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