Kulturschock am Airport - Part 2

24 Jahre Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Und die Frage: Was waren die Highlights? Für einen Pressemann, der aus dem Journalismus kommt, ist das nicht so einfach zu beantworten.

Der Flughafen Stuttgart steht betriebswirtschaftlich immer schon gut da. Fast immer – bis auf wenige Krisenjahre – durften wir Erfolge kommunizieren: Mehr Passagiere, mehr Flugbewegungen (ok – irgendwann änderte sich das und wir waren froh über weniger Flugbewegungen wg. Umwelt), mehr Flugziele, mehr Gewinn. Die Herausforderung bei positiven Themen ist, sie so interessant zu verkaufen, dass die Presse darauf anspringt. Das haben wir in der Rückschau gut hinbekommen, es ist aber nicht übermäßig spannend. „A gmähts Wiesle“, würde der Schwabe sagen.

Die wahre Challenge waren andere Dinge: ganz vorne spontan das gescheiterte Projekt der zweiten Start- und Landebahn. Wir hatten ein Konzept, wie wir das ganze aus unserer Sicht kommunizieren wollten. Der Gegenwind war schnell so groß, dass uns der damalige Ministerpräsident kurz und knapp untersagte, weiter für das Projekt zu werben. Noch ein paar Zuckungen – und die Bahn war Geschichte. Für immer.

Nachdem wir in der Pressestelle lange an der Belastungsgrenze gearbeitet hatten, um das Projekt im Sinne des Flughafens und seiner Geschäftsführung voranzubringen, war es nur normal, dass die ersten Wochen nach dem Ende die Stimmung am Boden war. Als guter Pressemann fragt man sich nämlich zu aller erst: Liegt der Fehler dafür in der Kommunikation? Gott-sei-Dank lässt einem der Job wenig Zeit, weil das nächste kritische Thema schon im Anflug ist.

Zwei Beispiele von vielen:
Nine-eleven – oder 9/11 – oder: Nachher war nichts mehr, wie es einmal war. Ich erinnere mich, dass 5 Minuten nach dem Einschlag des zweiten Flugzeugs in einen Turm des World Trade Centers in New York mein Telefon klingelte und der Journalist eines Lokalradios von mir wissen wollte, ob so etwas auch in Stuttgart möglich sei. Mir verschlägt es nicht oft die Sprache – aber da schon.

Die Bauchlandung eines Flugzeuges mit dem SPD-Politiker Müntefering an Bord: Es gab keine Verletzten, die Homepage des Flughafens brach trotzdem zusammen. D.h. wir konnten nicht mehr mit der Öffentlichkeit kommunizieren, wie lange der Flughafen geschlossen bleiben würde. Im Endeffekt waren es dann fünf Stunden, in denen nichts mehr ging.

Diese geschilderten Vorfälle passierten, bevor es so schöne Dinge wie Facebook, Twitter, Instagram etc. gab. Deren Erscheinen hat die Karten der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit noch mal ganz neu gemischt. Dazu dann beim nächsten Mal mehr.




09.12.2015

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