Ingenieurin am Airport

„Kontrollturm?!“ – „Hier Otto 5 – 8 am Standort G – A – 3, erbitte Freigabe auf November und Sierra für die Tiefbaukontrolle…“ Es ist 3:45 Uhr am Freitagmorgen am Flughafen Stuttgart, und es fällt mir inzwischen nicht mehr ganz so schwer, um diese Uhrzeit derart kommunikativ zu sein.

Ich heiße Claudia Bier, bin 48 Jahre alt und arbeite als Bauingenieurin seit knapp zweieinhalb Jahren in der Tiefbauabteilung der Flughafen Stuttgart GmbH. Die Wenigsten können sich eine Verbindung zwischen Flugzeug und Tiefbau vorstellen. Aber wieso eigentlich nicht? Schließlich umfasst der Flughafen Stuttgart insgesamt ein riesiges Gelände mit rund 400 ha!

In der Tiefbauabteilung kümmern wir uns um alles von der Geländeoberkante abwärts. Das bedeutet: Wir überprüfen abwechselnd die Flächen auf Schäden und veranlassen Reparaturen. Wir planen Sanierungs-, Neubau- und Erneuerungsmaßnahmen für Rollbahnen, Straßen, Fundamente, Schächte und Leitungen. Auch der Flughafentunnel B312 und die 5 Brücken auf dem Campus gehören in unser Ressort. Wir schreiben die Baumaßnahmen auch aus und machen die Bauleitung vor Ort. Wir von der Tiefbauabteilung kennen uns also auf dem Grund und Boden des Stuttgarter Flughafens ziemlich gut aus. Und auch darunter, z.B. in den kilometerlangen Versorgungskanälen. Diese sind fast wie kleine Tunnel und können zu Fuß begangen werden. Natürlich nur vom Fachpersonal…

Im vergangenen Jahr hatten wir einige interessante Baumaßnahmen, zum Beispiel den Anschluss des Versorgungskanals für das neue Kongresshotel in 11 Metern Tiefe und die Erneuerung von rund 10.000 m² Betonplatten im Vorfeldbereich auf Rollbahn M. Auf beiden Baustellen mussten wir Boden ausheben. Das geht am Flughafen nur, wenn die Fachleute von der Kampfmittelbeseitigung dabei sind und die Aushubstellen vorher auf Munition aus dem 2. Weltkrieg untersuchen. Spannend, weiß man doch nie hundertprozentig, was genau einen erwartet. Naja, bisher hat es jedenfalls geklappt :-)

Das macht natürlich Lust auf die neuen Baumaßnahmen, die in diesem Jahr anstehen - unserem 7- köpfigen Team wird sicher nicht langweilig! Da ist es manchmal gar nicht so schlecht, wenn man morgens um 3:45 Uhr in Ruhe seine Bahnen abfahren kann…




23.01.2017

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