Erste-Hilfe-Schulung statt Schreibtisch

Als betrieblicher Ersthelfer bei der Flughafen Stuttgart GmbH (FSG) habe ich turnusmäßig alle zwei Jahre für einen Tag etwas ganz anderes zu tun, als mich um die SAP-Administration und unsere IT-Systeme zu kümmern. Dann tausche ich Schreibtisch, PC und Kugelschreiber von morgens bis abends gegen Mullbinden, Übungs-Puppe und Theorieunterricht.

Doch warum gibt es überhaupt betriebliche Ersthelfer?
Jeder Unternehmer muss in seinem Betrieb sicherstellen, dass wirksam Erste Hilfe geleistet werden kann. Dazu gehört unter anderem eine ausreichende Anzahl von Mitarbeitern (w/m), die als Ersthelfer ausgebildet sind. Bei uns am Flughafen erfolgt die Ausbildung durch Mitarbeiter der Flughafenfeuerwehr Stuttgart.

Zum Ablauf einer Erste-Hilfe-Auffrischung.
Zunächst einmal gibt es einen Ausbilder. In unserem Falle ein Rettungsassistent. Und dann sind
da eine begrenzte Teilnehmerzahl an Ersthelfern (w/m), welche aus den unterschiedlichsten Abteilungen und Positionen der FSG kommen.
Da man natürlich nicht den gesamten Inhalt aus dem ursprünglichen Erste-Hilfe-Lehrgang an nur einem Tag wieder auffrischen kann, werden zunächst die Wunschthemen, d.h. jeder Teilnehmer besinnt sich auf seine Schwachstellen, vorab gesammelt.

Theorie + Praxis.
Die einzelnen Themen werden dann entweder theoretisch oder praktisch abgehandelt.
Praktischer Teil ist z. B. das Üben der stabilen Seitenlage, das Abnehmen eines Motorradhelmes oder das Verbinden. Je nach Thema simuliert jeder der Ersthelfer zum einen den Helfer und zum anderen auch den Patient. Bei dem Verbinden z.B. werden kleine Teams gebildet, welche jeweils verschiedene Aufgaben erhalten. Wenn alle Teams die ihnen gestellten Anforderungen erfüllt haben, stellen sie diese vor und erklären, wie sie diese umgesetzt haben. Die Umsetzung wird durch den Ausbilder begutachtet und ggf. korrigiert bzw. entsprechend kommentiert.
Zum praktischen Teil gehört grundsätzlich auch die sehr wichtige Herz-Lungen-Wiederbelebung (vereinfacht oft Reanimation genannt) bei der ein Dummy (eine speziell für dieses Training entwickelte Puppe) verwendet wird. Bei dieser Übung, welche zunächst von jedem Teilnehmer allein ausgeführt wird und anschließend zu zweit, werden auch die einzelnen Schritte (z.B. Bewusstsein + Atmung überprüfen, Notruf absetzen etc.) simuliert, die zuvor ausführlich besprochen wurden.

Was sonst noch?
Begleitet wird natürlich solch ein Training auch von Fragestellungen, Diskussionen über ethische und rechtliche Aspekte sowie Beiträgen hinsichtlich Erfahrungen, die der eine oder andere Ersthelfer in entsprechenden Situationen einmal gemacht hat.

Und warum ist die Nachschulung so wichtig?
Nicht nur weil jeder Teilnehmer für sich Schwachstellen entdeckt ist solch eine Nachschulung wichtig, sondern weil es innerhalb der Ersten Hilfe auch immer wieder Neuerungen gibt und das zuletzt Gelernte zwischenzeitlich nicht mehr dem aktuellen Stand entspricht.

Doch wer denkt es ging den ganzen Tag sehr sachlich zu, der irrt. Spaß wurde hierbei groß geschrieben. Schön auch, dass man mal wieder Kontakt zu Kollegen (w/m) aus fachfremden Arbeitsgebieten hatte.




04.11.2011

Aus Datenschutzgründen werden die Kommentare erst geladen, wenn Sie den Disqus-Dienst aktiviert haben. Bitte beachten Sie, dass nach Ihrer Zustimmung Daten mit anderen externen Diensten ausgetauscht werden.
Datenschutzhinweis lesen