Einsatzübung bei der Feuerwehr

Fitness und Gesundheit sind das Kapital von uns Feuerwehrleuten. Damit das immer auf dem gleichen Niveau ist, muss jeder Feuerwehrmann/-frau 1x im Jahr durch unsere Atemschutzstrecke. Die Voraussetzung hierfür ist erst einmal, dass unser Betriebsarzt uns alle 3 Jahre und ab dem 50. Lebensjahr jährlich untersucht, um unser körperliche Fitness und Gesundheit zu testen. Außerdem haben wir im Schulungsraum der Feuerwache theoretischen Unterricht, der ziemlich trocken ist - doch notwendig, da uns dort die neusten Vorgehensweisen und Techniken übermittelt werden.

Danach beginnt der aufregende Teil der Atemschutzausbildung in unserer Atemschutzübungsanlage im Keller der Feuerwache. Unsere Atemschutzstrecke wird mit Disconebel verraucht, durch die Lautsprecher wird eine Geräuschkulisse erzeugt, die mit einem Feuerwehreinsatz vergleichbar ist. Mit einem Heizstrahler wird die Anlage zudem auf ca. 30°C erhitzt. Das ist allerdings nichts gegen die Temperaturen bei einem richtigen Einsatz: Bei einem Vollbrand können in einem Zimmer beispielsweise in den ersten 10 Minuten Temperaturen von 600°C bis 800°C und nach 40 Minuten bis zu 1200°C erreicht werden.

Unsere Feuerwehrschutzbekleidung bietet uns Schutz gegen hohe Temperaturen, Verbrennungen und mechanische Verletzungen, die etwa beim Hängenbleiben an einer Tür oder an scharfen Gegenständen entstehen können. Die Ausrüstung besteht aus Feuerwehrhelm, Feuerwehrschutzhandschuhen, Feuerwehrstiefel, Feuerwehrschutzanzug und Flammschutzhaube (zur Erklärung: Letztere sieht aus wie eine Motorrad- oder Skimütze, und wir tragen sie unter dem Feuerwehrhelm und über der Atemschutzmaske. Sie dient zum Schutz vor Verbrennungen im Bereich des Halses, Nackens und der Ohren). Des Weiteren ziehen wir noch ein Atemschutzgerät mit Atemschutzmaske an, und je nach Feuerwehreinsatz haben wir eine erweiterte Ausrüstung dabei, die aus Handsprechfunkgerät, Wärmebildkamera, Feuerwehrschläuchen, Strahlrohr oder Feuerwehraxt bestehen kann. So ausgerüstet haben meine Kollegen/innen und ich im Einsatz nochmals ca. 30 bis 50 kg zusätzlich dabei.

Zur Übung selbst: Wenn mein/e Feuerwehrkollege/kollegin einsatzbereit (und angekleidet) ist, gehen wir immer zu zweit los zum Training. So lautet eine der Grundregeln. Mit dem Laufband müssen wir dann erst einmal 120 m laufen, danach auf einer Endlosleiter 18 m steigen und mit einem Oberarmergometer ca. 1 Minute lang kurbeln. Unsere Atemluftflaschen reichen für ca. eine halbe Stunde Feuerwehreinsatz – die haben wir nach diesem Programm schon gut in Anspruch genommen. Es geht aber weiter in unsere vorgeheizte und vernebelte Atemschutzstrecke. Die ist auf zwei Ebenen verteilt und ca. 60 m lang mit allen möglichen Hindernissen, wie einer Röhre von ca. 4 m Länge und einem Durchmesser von 0,65 m, ausgestattet. Zwischendrin werden wir immer wieder aufgefordert, eine Lagemeldung an die Einsatzleitung sowie den Stand unserer verbleibenden Atemluft durchzugeben. Das fordert einen ganz schön, und nach einem erfolgten Durchgang freut man sich auf eine Flasche Mineralwasser, denn man hat unter der Feuerwehrschutzkleidung und der körperlichen Anstrengung ziemlich gelitten.

Die Steigerung von einem Feuerwehreinsatz mit Atemschutz ist ein Einsatz im Chemikalienschutzanzug (CSA). Den benötigen wir für Gefahrguteinsätze. Dort sind wir vollständig von der Außenwelt abgeschottet und somit den härtesten Arbeitsbedingungen wie Wärmestau, Mikroklima und eben Gefahren wie Chemikalien oder anderen Gefahrstoffen ausgesetzt. An den knalligen Farben Gelb oder Grün des CSA-Anzugs und aufgeblasen wie ein großer Luftballon fallen wir im Feuerwehreinsatz dann auf.

Egal ob Übung oder Einsatz – man braucht schon starke Nerven, um mit Schutzkleidung und Atemschutzgerät in ein brennendes Haus oder Flugzeug vorzudringen, um Menschen zu retten. Bei der Landesfeuerwehrschule und mit mobilen Brandsimulationsanlagen können wir diese Situationen zum Glück realistisch durchspielen, um im Ernstfall nicht in Stress und Panik zu geraten. Dennoch: Nach den Atemschutzübungen freue ich mich jedes Mal auf die Dusche und fühle mich um ein paar Kilo leichter.




13.09.2012

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