Willkommen an Bord, Ladies & Gentlemen!

Ihr wisst es schon - mein Name ist Suk-Jae Kim, ich bin Pilot und somit dein persönlicher Cockpitbuddy. In meinem ersten Blog habe ich mich vorgestellt, aber eigentlich gehört zum Start einer Blogreihe über das Fliegen der Take-Off! Ich nehme dich mit ins Cockpit und erkläre dir, was Piloten beim Start machen und wie es sich für dich als Passagier anfühlt in der Kabine. Fangen wir am besten vor dem Start an: Vor jedem Flug wird ein Pilot bestimmt, der fliegt und einer, der ihm zuarbeitet und bspw. funkt und den Kollegen überwacht. Wir nennen das Pilot Flying und Pilot Monitoring. Diese Zuteilung ist unabhängig vom Pilotenrang, wie Captain und Co-Pilot.

Die Arbeit ist ganz klar aufgeteilt in viele, viele Einzelschritte, die wir SOP‘s nennen: Standard Operation Procedures. Sie sind das Gerüst für die Zusammenarbeit der beiden Piloten. Bei großen Airlines ist es so, dass man den Kollegen im Cockpit gar nicht kennt und trotzdem fast blind mit ihm oder ihr zusammenarbeiten kann. Und dabei kennen wir uns meist nur ein paar Stunden oder Tage.

So, aber jetzt: Stell dir vor, du sitzt auf dem Jumpseat im Cockpit, das ist der Extrasitz im Cockpit meistens hinten in der Mitte. Der mit der perfekten Aussicht. Der Captain ist bei diesem Flug unser Pilot Monitoring, der Co-Pilot der Pilot Flying. Alle sitzen angeschnallt auf ihren Sitzen, wir befinden uns bereits auf der Startbahn.

Unser fiktives Callsign lautet heute Cockpitbuddy 01…
Der Tower gibt uns die Startfreigabe: Cockpitbuddy01: Wind 180 Degrees; 12 Knots; Runway 18; you are cleared for takeoff.
Co-Pilot: Cockpitbuddy01; Runway 18; cleared for takeoff.
Captain: You have control!
Co-Pilot: I have control!
Damit sind die Rollen klar verteilt.

Als nächstes sagt der Pilot Monitoring „Takeoff“ und schiebt die Schubhebel nach vorn. Der Pilot Flying schaut raus und hält das Flugzeug mit dem Seitenruder in der Mitte. Du hörst, wie die Triebwerke hochdrehen, langsam beschleunigt der Flieger. Das ist der Moment, wenn man leicht in den Sitz gedrückt wird. Der Pilot Monitoring sagt Take-Off Power Set, wenn die Triebwerke den gewünschten Schub liefern.

Der Flieger wird immer schneller und man merkt im Cockpit die ein oder andere Unebenheit in der Startbahn. So als würdest du mit dem Auto über einen Gullideckel fahren. Schließlich ruft der Captain V1 (Wi Won) und nimmt die Hand von den Schubhebeln. (V steht für Geschwindigkeit, kennst du vielleicht noch aus dem Physikunterricht.) V1 ist eine Entscheidungsgeschwindigkeit: Bis zu diesem Tempo könnte der Start noch abgebrochen werden, da der Bremsweg noch ausreichend wäre.

Eine weitere entscheidende Geschwindigkeit ist VR. R steht für Rotation. VR benennt die Abhebegeschwindigkeit. Ist sie erreicht, sagt der Pilot Monitoring „Rotate“ und unser Pilot Flying zieht sanft am Steuer - die Nase der Maschine hebt sich. Kurze Zeit später sind wir komplett in der Luft, Airborne würden wir im Cockpit sagen. Der Pilot Flying kommandiert „Gear Up“ - das ist das Zeichen für den Pilot Monitoring das Fahrwerk einzufahren. Das hört sich an wie ein großes Rumpeln. Bei Airbusfliegern hört man in der Kabine beim Ein-/Ausfahren vom Fahrwerk ein „Bing“.

Links und rechts aus dem Fenster siehst Du wie die Häuser und Straßen immer kleiner und kleiner werden. In einer gewissen Höhe bemerkst du wie der Pilot etwas Gas raus nimmt und die Flugzeugnase etwas senkt. Manchmal kannst du auch in der Kabine hören, wie der Schub reduziert wird. Bildlich gesehen gibt man Vollgas bis man die entsprechende Höhe erreicht hat und reduziert dann den Schub, um die Triebwerke zu schonen.

Irgendwann kommandiert der Pilot Flying zum Pilot Monitoring etwas mit "Flaps". Auf Deutsch „Klappen“. Sie befinden sich im Flügel und können nach vorne sowie nach hinten ausgefahren werden. Dank der "Flaps" können wir langsamer fliegen und verlieren trotzdem den Auftrieb nicht. Sie brauchen wir nur zum Starten und zum Landen. Beim Steig- und Reiseflug wollen wir ja schnell fliegen, daher fahren wir diese wieder ein. Je nach Flugzeugmodell kannst du die hydraulischen Pumpen für die Steuerung der Klappen auch in der Kabine hören.

So, das soll mal ein kleiner Einblick sein zum Thema Takeoff. Ich hoffe, du kannst dir nun etwas besser vorstellen, was beim Start im Cockpit passiert.

Wenn Du mehr über das Fliegen erfahren willst, dann höre doch gerne in meine Podcasts rein. In diesem Sinne: Always happy landings!
Dein Cockpitbuddy
Suk-Jae




05.12.2017

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