Was macht Kirche am Flughafen?

„Was macht Kirche am Flughafen?“ Das war die Frage von Azmat, meinem Teamleiter, als ich letzten Sommer ein Betriebspraktikum gemacht und Flugzeuge geputzt habe.
Ja, was macht Kirche am Flughafen. Diese Frage hat mich umgetrieben, treibt mich heute noch um – nicht erst seit ich gefragt wurde und ich zwischen Tische abwischen, Gurte zurecht legen und Abfallbehälter leeren versucht habe, darauf eine Antwort zu finden.

Natürlich hatte ich Azmat zuvor eine Antwort gegeben. Ich kann die Aufgabenfelder benennen, in denen sich die Flughafenseelsorge bewegt: Passagier- und Besucherseelsorge, Betriebsseelsorge, Gottesdienste, Notfallseelsorge, Flüchtlingsseelsorge, Sozialarbeit und last but not least, Öffentlichkeitsarbeit. Diese Felder sind Aufgaben der Flughafenseelsorge, weltweit, doch mit unterschiedlichen Schwerpunkten je nach Land und Kultur, auch abhängig von der Größe des jeweiligen Flughafens und den konkreten kirchlichen Mitarbeitern vor Ort.

Hier in Stuttgart sind wir bei der Flughafenseelsorge zwei Mitarbeiter, Herr Diakon Otto Rapp vom Diakonischen Werk und ich, Schwester Agnesita Dobler von der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Mit an Bord sind auch dreißig ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die am Counter der Kirchlichen Dienste im Terminal 1 Dienst tun. An vielen Tagen der Woche sind wir am Flughafen: in unseren Büros in Terminal 3, Ebene 2, oder unterwegs auf dem Gelände und versuchen, den Menschen, denen wir begegnen, weiterzuhelfen. Das können ganz einfache, praktische Fragen sein, etwa wo der Abflug ist, bis hin zur Unterstützung in komplexen, persönlichen Situationen. Oder wir werden von den Mitarbeitern der Airlines, der Polizei, der Terminalaufsicht u.a. angerufen und um Unterstützung gebeten.

„Was macht Kirche am Flughafen?“ Angesichts des breiten Spektrums, was auf uns zukommen kann, verstehen wir uns nicht als Lösung für alle Fälle, wohl aber als Unterstützung zum nächsten Schritt in allen Fällen. Manchmal können wir wirklich schnell weiterhelfen, z. B. mit einem Telefonanruf. Oft stehen aber hinter der konkreten Anfrage eine ganze komplexe Problemlage, zerbrochene Träume und Lebensentwürfe, Ausweglosigkeit, Sinnlosigkeit, Einsamkeit. Hier möchte ich mit meiner Hilfe zum nächsten Schritt auch die Hoffnung weitervermitteln, die mir mein Glaube gibt.

Nein, der Glaube ist nicht die Lösung aller Fragen. Aber er sagt mir, dass es einen gibt, dem ich nicht gleichgültig bin. „Oh glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden.“ Dieser Satz wird den Kirchenbesuchern in der Osternacht zugerufen. Dann, wenn die Nacht am tiefsten ist, alle Hoffnungen und alles Leben tot sind, im Grab liegen, wenn ich nicht mehr aus noch ein weiß, schuldig geworden bin, dann sagt einer: „Und bei mir zählst du trotzdem. Ich nehme dich an, so wie du bist, mit deinem ganzen Versagen und ich gebe mein Leben für dich.“ Das lässt aufleben, das ist Ostern, Auferstehung, mitten in meinem alltäglichen Wahnsinn.

„Was macht Kirche am Flughafen?“ Was mache ich am Flughafen? Neben den kleinen und manchmal auch größeren Unterstützungsleistungen möchte ich eine Landefläche bieten für die Sorgen und Ängste der Menschen, sie spüren lassen, dass sie willkommen sind. Dass sie am Flughafen landen und ankommen dürfen, so wie sie sind. Dass sie trotz vieler Ängste, die sie im Gepäck mittragen, Hoffnung und Perspektiven finden in ihrer konkreten Lebenssituation.

*ADD-ON*
In unserem Flughafenmagazin"Flugblatt" gibt's mehr Infos zu dem Thema: Impulse zum Innehalten




07.04.2011

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