Überzeugungstäterin am Airport

Seit letztem Sommer arbeite ich an Flughafen und Messe – Referentin für Kirchliche Dienste bin ich und mein Name ist Marjon Sprengel. Gut ein Jahr mache ich den Job nun schon, und ich finde, ich habe einen spannenden Arbeitsplatz. Seelsorge ist der Überbegriff für das, was ich tue. Ich kümmere mich um die Menschen vor Ort – Passagiere, Besucher, Mitarbeiter,… und helfe ihnen bei den unterschiedlichsten Anliegen weiter. An jedem Tag, an dem ich „oben“ bin, schaue, höre und nehme ich wahr, was sie an- und umtreibt, was sie beschäftigt, …

Was mich beschäftigt ist das Klima der Gewalt, das im Moment an vielen Orten auf der Welt wahrzunehmen ist; dass Menschen Hass schüren, die anderen nicht verstehen wollen, sondern nur verurteilen, ja sogar töten. Am meisten macht mir zu schaffen, dass das im Namen von Religion geschieht, ja sogar im Namen „Gottes“.

Und da hab ich am Flughafen – im übrigen auch auf der Messe – eine für mich erstaunliche Beobachtung und Erfahrung gemacht… es gibt ja am Flughafen in Terminal 3 auf Ebene 2 den sogenannten Andachtsraum, der allen Menschen zur Verfügung steht, die beten wollen oder Stille suchen. Wir nutzen den Raum natürlich für Andachten und andere Gottesdienste oder Mediationen. Und da geschieht es immer wieder, dass eine Gruppe von Christen sich trifft für eine Gebet oder eine kleine Andacht und gleichzeitig taucht ein Muslim auf, ein Mensch muslimischen Glaubens, und will seine Gebete verrichten (im Raum ist die Richtung dafür angezeigt). Nach kurzer Verständigung ist meist klar, dass alle bleiben können – die Gruppe mit ihrer Andacht und der Beter mit seinem Teppich… sie stören sich nicht nur nicht. Im Gegenteil: In gegenseitiger Achtung verrichtet jeder seine Gebete…

Das finde ich toll und für mich ist das ein kleines Hoffnungszeichen und ein Beweis, dass es geht, anders geht, ohne Hass und Gewalt. Ich weiß, die Welt ist damit nicht bekehrt und gewaltfrei geworden, aber wir haben angefangen und ich bin überzeugt, dass alles, was geschieht, etwas bewirkt und die Welt doch ein wenig ändert. In diesem Sinn möchte ich Überzeugungstäterin bleiben – und freue mich auf Ihren Besuch am Flughafen.




15.04.2015

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