Top-Team: Der Zöllner und sein Hund

Gibt es ein klassischeres Bild als den Zöllner mit seinem Hund? Ich glaube nicht…
Mein Name ist Patrik Deininger, ich bin 33 Jahre alt und ich bin Zollhundeführer am Stuttgarter Flughafen. Derzeit gibt es neben mir noch zwei Kolleginnen und zwei Kollegen vom Zoll die ebenfalls einen Diensthund führen.
Bei meiner Diensthündin Xarit handelt es sich um eine dreijährige Deutsche Schäferhündin. Sie ist ein sogenannter passiv anzeigender Tabak- und Bargeldspürhund. Passiv anzeigend bedeutet, dass sie an der Duftquelle -also beispielsweise an einer Stange Zigaretten- mit ihrer Schnauze regungslos verharrt, wenn sie den bekannten Duftstoff lokalisiert hat.
Hier am Flughafen Stuttgart suche ich mit Xarit im Ein- und Ausreisebereich Gepäckstücke nach Bargeld und Tabakprodukten ab. Wenn mein Hund mir an einem Koffer anzeigt, wird der Koffer dann im Beisein des Reisenden geöffnet.

Meine Hündin ist jetzt aber nicht nikotinsüchtig - die Suche nach Tabakwaren oder Bargeld ist für sie ein Spiel. Sie hat in ihrer Ausbildung gelernt, dass diese Duftstoffe interessant für sie sind, denn immer wenn sie einen der Duftstoffe in die Nase bekommen hatte, wurde mit ihr ausgiebig gespielt oder es gab mal ein Leckerli.
Als nächstes wurde ihr noch beigebracht, wie sie sich zu verhalten hat, wenn sie einen der Duftstoffe in die Nase bekommen hat und fertig ist die Ausbildung zum Spürhund…
Dies geht natürlich nicht von heute auf morgen. Alle Zollhundeteams durchlaufen eine cirka zweijährige Ausbildung. Spielerisch lernen die Hunde darin unter verschiedenen Geruchsquellen zu unterscheiden, schließlich riecht ein Hund bis zu 5000-mal besser als der Mensch. Konzentriertes Üben, konsequenter Umgang mit den Tieren und ständiges Widerholen der Abläufe ermöglichen es die Fähigkeiten des Hundes für unseren Beruf einzusetzen. Unterordnung des Tieres gehört zwar zur den Ausbildungsinhalten - mit Zwang oder ähnlichen lässt sich hier jedoch nicht viel erreichen.

Einen Zollhund zu führen ist eine Aufgabe, die wohl geplant und überdacht sein möchte. Schließlich ist der Hund keine Uniform, die man nach dem Dienst in den Schrank hängt. Die Hundeführerin oder der Zollhundeführer und ihr Tier sind ein Team. Ich kann nicht zu einem Kollegen sagen, „such Du diese Woche mal mit meinen Hund, ich fahre in den Urlaub“. Wenn ich in den Urlaub gehe, hat Xarit auch keinen Dienst und wenn ich krank bin, ist Xarit auch nicht am Flughafen.
Wenn wir Dienstschluss haben, fährt Xarit mit mir nach Hause und lebt bei meiner Familie. Das heißt ich laufe dann abends mit meiner Hündin auch noch ein paar Runden, richte ihr das Fressen und gehe mit ihr zum Tierarzt.
Für unsere Zollhunde gibt es kein bestimmtes Rentenalter. Solange die Tiere gesund und einsatzfähig sind, bleiben die Hunde im Dienst. Die Entscheidung, Zollhundeführer zu werden, prägt also den beruflichen Alltag für zahlreiche Jahre. Nach der Versetzung in den Ruhestand genießen die Zollhunde a. D. ihren Lebensabend mit ihrem Herrchen oder Frauchen; schließlich ist der Hund über Jahre ein treuer Kollege und Begleiter geworden, den man nicht wieder hergeben kann.

Will man Zollhundeführer werden, muss man auf jeden Fall zuerst einmal bei der Zollverwaltung eine Ausbildung zum Zollbeamten/zur Zollbeamten im mittleren Zolldienst machen. Danach sollte man geraume Zeit am Flughafen in der Reisendenabfertigung arbeiten, damit man die Abläufe an einem Flughafen richtig kennenlernt. Eigene Erfahrungen als privater Hundebesitzer sind natürlich von Vorteil, um im Umgang mit den Tieren sicher zu arbeiten.

Viele Schülerinnen und Schüler kommen auf uns zu und möchten gern Zollhundeführerin oder Zollhundeführer werden. Von der Ausbildung bis zum ersten Zollhund ist es allerdings ein langer und anstrengender Weg - im Berufsleben verlaufen die Wege nicht immer direkt und nicht alle Schritte sind beruflich und privat im Vorfeld planbar. Etwa ein Prozent aller Zollbeamten in Stuttgart arbeitet im Moment als Hundeführer - für mich tatsächlich ein wahrer Traumberuf.




12.11.2013

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