Pilotenalltag: Fliegen ab Stuttgart

Heute berichte ich über den Ablauf eines ganz normalen Arbeitstages an meinem Heimatflughafen Stuttgart – wobei: So einen richtig „normalen“ Arbeitstag gibt es bei uns eigentlich gar nicht, da wir sehr unterschiedliche Dienstzeiten und Flugziele haben. Selbstverständlich sind das Wochenende sowie sämtliche Feiertage ganz normale Arbeitstage. Und so sieht ein Tag zum Beispiel aus:


Start in den Arbeitstag
Montag, der 30.10.: Ich habe das Glück, erst mittags um 1305 Dienstbeginn zu haben. Es geht von Stuttgart nach Fuerteventura und wieder zurück nach Stuttgart. Das kommt mir sehr entgegen, da ich eigentlich – sofern es mein Dienstplan zu lässt – zu den Langschläfern zähle. Morgens nach dem Aufwachen überlege ich mir zunächst, um welche Uhrzeit ich abfahren muss, damit ich auf jeden Fall pünktlich am Flughafen bin. Pünktlichkeit wird bei uns nicht nur bei der Abflugzeit groß geschrieben, sondern auch bei Dienstbeginn.


Am Flughafen…
Heute verläuft die Fahrt zum Flughafen sehr entspannt, und ich bin schon recht früh da. Im Crewparkhaus am Flughafen treffe ich einige Kollegen von meiner Crew, und man hat noch Zeit, sich am Kaffeeautomat einen Kaffee zu gönnen. Dann geht es erst einmal durch die Sicherheitskontrolle.
Unser Crewraum befindet sich im sogenannten Ops Gebäude an der Pforte Ost. Dort trifft sich die komplette Crew. Die Kabinenbesatzung bespricht den Serviceablauf sowie sicherheitsrelevante Verfahren. Mein Kollege und ich machen die Flugvorbereitung, schauen uns ganz genau die Wettersituation an und entscheiden, wie viel Kerosin für diesen Flug getankt wird. Da heute das Wetter auf Fuerteventura ziemlich stürmisch ist, entscheiden wir uns dafür, eine ordentliche Reserve zu tanken, um vor Ort mehr Handlungsspielraum zu haben. Danach besprechen wir mit der Kabinenbesatzung die wichtigen Punkte des Tages und gehen gemeinsam zum Flugzeug. Mein Kollege und ich sprechen uns ab, wer den Hinflug und wer den Rückflug durchführt. Ich entscheide mich heute für den Hinflug.

Mein Kollege überprüft dann vor dem Start beim sogenannten Outside-check das Flugzeug auf sichtbare Beschädigungen, während ich im Cockpit einige Sicherheits-Checks durchführe und den Bordcomputer mit Daten füttere. Danach werden die Checklisten gelesen um sicherzustellen, dass wir nichts vergessen haben.

Pünktlich um 1405 werden wir vom Schlepper des Flughafens zurückgeschoben, und es geht los nach Fuerteventura.


Die heiße Phase – volle Konzentration
Während des Reisefluges besorgen wir uns immer wieder den aktuellsten Wetterbericht von sämtlichen Flughäfen auf den Kanaren, um eine schnelle Entscheidung treffen zu können, sofern wir nicht auf Fuerteventura landen könnten.

Ungefähr eine ¾ Stunde vor der Landung besprechen wir das Anflugverfahren sowie Besonderheiten des Flughafens und die Wettersituation. Wir haben Glück, der Wind ist zwar heftig, aber noch in den Limits für uns, sodass wir pünktlich auf Fuerteventura landen.

Während die Passagiere aussteigen, bereiten wir uns auf den Rückflug vor. Für Stuttgart ist gegen Abend und für die Nacht sehr dichter Nebel vorhergesagt. Das macht uns allerdings keine großen Sorgen, da der Flughafen Stuttgart über die modernsten Einrichtungen für diese Wetterlagen in beide Landerichtungen verfügt. Dennoch entscheiden wir uns auch hier für etwas mehr Kerosin als nötig. Durch den Nebel wird die Staffelung der an- und abfliegenden Flugzeuge aus Sicherheitsgründen vergrößert, und es kann sein, dass wir ein paar Warteschleifen fliegen müssen.


Ab nach Hause
Wir fliegen pünktlich wieder ab. Unterwegs bekommen wir jede halbe Stunde ein Update des aktuellen Wetterberichts für den Flughafen in Stuttgart. Der Flughafen stellt ein System zur Verfügung, mit dem wir an jedem Ort der Welt den aktuellen, detaillierten Wetterbericht von Stuttgart an Bord ausdrucken können. Kurz vor Feierabend wird es nochmal spannend…

Wie vorhergesagt, herrscht in Stuttgart nun dichter Nebel. Die Flugsicherung koordiniert schon sehr früh den Verkehrsfluss, sodass wir lediglich eine Warteschleife fliegen müssen, um dann fast pünktlich eine sogenannte Blindlandung zu machen. Das heißt: Die Bodensicht beträgt weniger als 550 Meter und die Wolken sind so dicht und tief, dass man in einer Höhe von 70 Metern die Landebahnbefeuerung nicht sehen kann. Bei diesem sogenannten Autoland wird die Landung vom Autopiloten durchgeführt und wir Piloten müssen die Systeme extrem genau Beobachten – bei einem Systemausfall müssen wir in Sekundenbruchteilen entscheiden und vor allem reagieren.

Auf der Parkposition angekommen, stehen schon die Treppen und Passagierbusse bereit. Wir sind schließlich mit den Abschlussarbeiten beschäftigt. Dazu gehört zum Beispiel ziemlich viel Papierkram. Vom Crewbus werden wir zum Parkhaus gefahren, und ab geht’s nach Hause. Morgen geht es dann um 1215 nach Mallorca…




17.11.2011

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