Mein Job am STR

Mein Name ist Markus Ciravegna, ich bin 44 Jahre alt und seit 16 Jahren bei der ProAir-Charter-Transport GmbH in Filderstadt beschäftigt, einem Dienstleistungsunternehmen, das sich vor nunmehr 20 Jahren darauf spezialisiert hat, Flugzeuge und Helikopter aller Größen und Kategorien zu verchartern.

Angefangen habe ich als gelernter Speditionskaufmann vor 16 Jahren damit, Bandstillstände bei den Automobilherstellern und deren Zulieferern zu vermeiden. Heißt, eine Firma ruft uns an und sagt: „Wir haben in unserem Werk in Sindelfingen in fünf Stunden einen Bandstillstand und benötigen dringend Kabelbäume aus Polen.“ Jetzt sind wir zu zweit, oft zu dritt und zu jeder Tages- und Nachtzeit auf der Suche nach einem passenden Flugzeug, das mit den dringend benötigten Kabelbäumen binnen kürzester Zeit hier am Stuttgarter Flughafen landen kann. Sind sie hier gelandet bieten wir dann noch die optionale Möglichkeit, die Kabelbäume umzuladen und entweder mit einem Sprinter ins Werk zu bringen oder in manchen Fällen, sogar in einen Hubschrauber umzuladen und so die meist volle A8 zu umgehen.

Irgendwann haben dann unsere Fracht-Kunden angefangen zu fragen, ob es nicht auch Möglichkeiten gibt, sie schneller, näher, sinnvoller an ihr eigenes Werk zu bringen, als es die großen Linienfluggesellschaften tun, die hier in Stuttgart starten und landen. Die Aufgabenstellung: das Werk in Bari und acht Passagiere, die immer nur wenige Stunden vor Ort sein müssen! Die Lösung: mit einem kleinen Jet fliegen wir direkt von Stuttgart nach Bari und können bis 23 Uhr am selben Tag zurück und die Mitarbeiter am nächsten Morgen wieder im Büro sein. Mit den Linienflügen wäre es vermutlich preisgünstiger, aber in dem geforderten Zeitfenster nicht machbar, und darauf kommt es an.

Dann kam irgendwann der VfB Stuttgart auf uns zu: "Wir spielen Champions League in Barcelona und wir haben 1.600 Fans, die uns begleiten wollen." Nichts spannender als das: Wir haben sieben Boeing 757 mit jeweils 220 bis 250 Sitzplätzen gebucht und uns am frühen Morgen an unserem Heimatflughafen Stuttgart getroffen und unsere Reisenden an 21 Check-in Countern einchecken lassen.

Das absolute Highlight war jedoch: der erste gewerbliche Flug auf der Antonov AN225, die immer noch das größte Flugzeug der Welt ist! Geflogen haben wir damals insgesamt 189 Tonnen sogenannte „meals ready to eat“ für die amerikanischen Streitkräfte von unserer Homebase Stuttgart in den Oman. Damals waren wir sogar für einige Staus auf der A8 verantwortlich. Autofahrer haben auf dem Standstreifen gehalten und sich auf das Autodach gestellt und den Flieger fotografiert, der so groß ist, dass er drei „normale“ Parkpositionen einer Boeing 737 einnimmt.

Heute fliegen wir bis zu 3.500 Passagiere zu Automobilpräsentationen, mit 12 Flugzeugen zum 24 Stunden Rennen in Le Mans, 1.500 Passagiere zum Champions League Finale für Borussia Dortmund und auch diverse andere Fußballmannschaften zu deren nationalen und internationalen Einsätzen, z.B. mit dem BVB nach Baku. Es gibt fast kein Stadion mehr in Europa, das ich nicht gesehen habe.




17.02.2016

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