Mein Beruf als Ramp Agent

„Boarding Completed“ schallt es durch das Funkgerät. Gerade noch rechtzeitig sind die letzten Passagiere an das Einsteige-Gate gekommen. Den Flugzeugbeladern signalisiere ich schnell, dass sie das Gepäck nicht mehr heraussuchen und ausladen müssen. Eine Sicherheitsvorschrift seit dem Lockerbie-Unglück, die es nicht erlaubt, ein Gepäckstück ohne den Besitzer an Bord zu lassen. Das pünktliche Starten der 737-800 ist gewährleistet und die Urlauber werden pünktlich auf die Reise nach Fuerteventura geschickt. Die Laderäume noch schnell verschlossen, die ordnungsgemäße Verladung geprüft, dann mache ich einen letzten sogenannten „Walk-Around“, bei dem ich überprüfen muss, ob alle Türen und Klappen des Flugzeugs verschlossen, die Parkposition frei ist und keine Fremdkörper die Sicherheit beim Triebwerksstart gefährden könnten.

Dies ist ein kleiner Ausschnitt aus meinem Arbeitsalltag als einer von rund 50 Ramp-Agenten bei der Airport Ground Service GmbH, eine Tochtergesellschaft des Flughafen Stuttgarts. Ramp ist das englische Wort für Vorfeld, gerne wird auch das eingedeutschte Wort Rampe benutzt.

Mein Name ist Marco Lange und ich bin seit 2006 bei AGS angestellt und mittlerweile als Schichtleiter für diesen Bereich tätig. Ich koordiniere je nach Flugaufkommen 10-15 weitere Rampagenten in einer Schicht. Schwierig ist es, Außenstehenden oder Freunden zu erklären, was ich beruflich mache. Denn unter „Ramp-Agent“ kann sich, anders als bei Piloten, Ladern oder Check-in Personal, keiner spontan etwas vorstellen. Noch bevor ich es genau erklären kann höre ich oft: „Du bist doch der mit den Paddeln, der die Flugzeuge einwinkt“, aber genau der bin ich nicht ;-).

Als Ramp Agent ist man Problemlöser und Koordinator für alles, was bei einer sogenannten Abfertigung eines Fluges organisiert werden muss. Mit Abfertigung meinen wir die Abläufe an einem Flugzeug zwischen Landung und Start. Das fängt bei Unterlagen für die Crew an, geht über die Beladung der Maschine mit Gepäck und Fracht, das Catering, die Betankung mit Kerosin, die Reinigung der Flugzeugkabine bis zum rechtzeitigen Einsteigen der Passagiere. Dazu kommen noch viele weitere Aufgaben und Dienstleistungen, die je nach Flugzeugtyp und Fluggesellschaft variieren können. Also viele kleine Rädchen, die in einem recht knapp kalkulierten Zeitfenster ineinandergreifen müssen. Keine Abfertigung ist wie die andere. Eine Auflistung der Aufgaben, Probleme und den Anekdoten würde ein eigener Blog, wenn nicht sogar ein Buch gebühren. Aber genau das macht den Beruf sehr spannend und abwechslungsreich, und kein Tag läuft wie der andere ab.




11.01.2016

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