Ferienzeit im Terminal

„Entschuldigung, sind wir hier richtig am Check-in-Schalter für den Flug nach Fuerteventura?“ Ein kurzer Blick auf die Reiseunterlagen reicht aus, um den Passagieren mitteilen zu können, dass sie bei mir richtig sind. „Ich benötige von allen die Ausweise, bitte!“ Eine Kleinfamilie, Mama, Papa und die zwei kleinen Kinder steht vor mir. Es ist der erste Ferientag im Sommer und so wie diese Familie, machen sich gefühlte 1.000 Menschen auf den Weg in den Urlaub. Ich gebe die Namen dieser Familie in das System ein und überprüfe die Pässe. „Möchten Sie lieber am Fenster oder am Gang sitzen?“ Meistens entscheiden sich die Passagiere für einen Fensterplatz, um die schöne Aussicht genießen zu können. Andere wiederum eher einen Gangplatz, um so das Bein ausstrecken zu können. Rollstuhlfahrer und Babys müssen im Flieger an bestimmten Plätzen sitzen, die von der Airline vorgegeben sind. Da die Bestuhlung des Fliegers 3-3 ist (sowohl rechts als auch links vom Gang befinden sich 3 Plätze), empfehle ich dieser Familie, jeweils zu zweit zu sitzen, damit die kleinen Kinder beide am Fenster sitzen können. Die Familie ist einverstanden, ich wähle die Sitzplätze aus und checke die Familie ein. Die Bordkarten werden automatisch gedruckt. „Bitte stellen Sie den ersten Koffer aufs Band und teilen Sie mir immer den Namen mit.“ Jeder Koffer muss dem Passagier zugeordnet werden, dem er auch wirklich gehört. Im Falle einer Beschädigung oder eines Verlustes kann mit dem richtigen Namen auf dem richtigen Koffer viel bezweckt werden. „Sie haben pro Person einen Koffer bis maximal 23kg. Der letzte Koffer hat leider 4kg zu viel. Sie können etwas heraus nehmen oder Sie haben die Möglichkeit, das Übergepäck zu bezahlen. Das sind 10€ pro zusätzliches Kilo.“ Nach kurzer Diskussion steht fest, dass die Familie zahlt. Ich nehme das Geld entgegen und fülle eine Quittung sowohl für den Passagier, als auch für mich aus. Ich kontrolliere noch das Handgepäck und überreiche die Bordkarten, „Um 06:30 Uhr müssen Sie am Ausgang 408 sein. Vielen Dank und einen angenehmen Flug.“

Ein Blick auf die Uhr und ich stelle fest, dass ich schon seit 1,5 Stunden im Dienst bin und seit September 2014 am Flughafen, um die Ausbildung als Servicekauffrau im Luftverkehr zu machen. Ich heiße Maria Petruzzelli, bin 24 Jahre alt und Auszubildende bei der Flughafen Stuttgart GmbH. Man nennt mich auch der „Flughafen-Allrounder“, da ich jede 4-6 Wochen die Abteilung wechsle. Zurzeit befinde ich mich in der sogenannten „Passage.“ Für die Passagiere besser bekannt als Check-in-Mitarbeiterin oder die Dame, die die Karten am Gate einscannt. Mein Wecker klingelt bei einer Frühschicht schon um 02:45 Uhr. Während die Menschen noch schlafen oder gerade vom Party-machen nach Hause kommen, heißt es für mich: richten und ab zur Arbeit. Oft fällt es mir schwer aufzustehen, und während ich mit meinem Bett kämpfe, wird mir immer wieder aufs Neue bewusst, wie sehr ich eigentlich diese Ausbildung liebe. Jeden Tag neue Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen zu treffen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern zu können, bestätigt mir immer wieder, dass meine Entscheidung, die Ausbildung bei der Flughafen Stuttgart GmbH zu beginnen, richtig war.

Aber genug geträumt. Die Arbeit ruft und so muss ich um 06:00 Uhr am Gate sein. Ich mache mich auf den Weg, und was viele Passagiere vielleicht nicht wissen, ist, dass auch alle Mitarbeiter des Flughafens sich bei der Sicherheitskontrolle, extra nur für Mitarbeiter, kontrollieren lassen müssen. Am Gate angekommen werden erstmal die PCs hochgefahren und die Papiere für die Crew ausgedruckt. Erhalte ich von meinem Außendienst das Boarding-OK, so bestelle ich mir einen Bus und fange an, ihn zu füllen bis er voll ist. Bei 120 gebuchten Passagieren sind das 2 Busse. Es ist 06:20 Uhr und ich habe den letzten Passagier geboardet. Ich schicke den letzten Bus mit den Papieren los, drucke für die Abteilung noch die Papiere aus und mache mich anschließend auf den Weg ins Büro. Die Papiere werden abgeheftet und nach einem weiteren Blick auf die Uhr merke ich, dass ich schon längst Feierabend habe. Mit einem Lächeln im Gesicht stemple ich aus und mache mich auf, in meinem wohl verdienten Feierabend.




09.09.2016

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